EWE Sparpaket Heizung im Test: Am Ende wird alles gut.

Nachdem sich in meiner Wohnung, Baujahr 1971, vor einiger Zeit einige der manuellen Heizungsregler nicht mehr bedienen ließen, entschloß ich mich zur Anschaffung moderner digitaler Heizungsregler, die die Raumtemperatur automatisch regeln und sich programmieren lassen. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich mit einem Set aus dem damals noch existenten Max Bahr Baumarkt. Diese Erfahrungen waren als durchweg negativ zu bezeichnen, was schon in der Montage seinen Ursprung fand. So gab es zwei Typen von Heizkörperanschlüssen (die fünf Heizungen in meiner Wohnung besitzen drei unterschiedliche Anschlußtypen),  bei denen der Heizungsregler reproduzierbar bei der Einrichtung von der Heizung abfiel:

Soviel zur allgemeinen Belustigung, nun komme ich zum EWE Sparpaket Heizung, dessen Hardware sich auf einem gänzlich anderen Level bewegt. Alle von mir bisher getesteten Komponenten des Systems machen einen sehr guten und stabilen Eindruck. Auch der Stellmotor, der sich in den Baumarkt-Teilen sehr laut und billig anhörte, klingt in den Heizungsreglern des EWE-Sparpakets deutlich vertrauenserweckender und vor allem leiser. Ich habe mir zunächst das Startpaket gekauft, das aus folgenden Komponenten besteht:

  • 1 x Steuerungszentrale
  • 2 x Heizkörperthermostat
  • 2 x Fensterkontakt
  • 1 x Eco-Schalter

Mit diesem Paket lassen sich immerhin schon die Heizkörper zweier Zimmer vollständig digital steuern. Die Anbindung des Systems erfolgt über das Internet, so daß sich die Heizkörper in allen Zimmern nicht nur vom heimischen PC oder Mac, sondern auch mit dem iPhone oder Android-Smartphone regeln lassen. Die Fensterkontakte sorgen dafür, daß die Heizung beim Öffnen des Fensters heruntergeregelt und beim Schließen des Fensters automatisch wieder auf die ursprüngliche Temperatur zurückgesetzt wird. Der Eco-Schalter kann an der Wand befestigt werden und schaltet alle Heizkörper der Wohnung oder des Hauses auf Knopfdruck in den Eco-Modus, also einer frei einstellbaren Temperatur, die standardmäßig auf 17°C eingestellt ist; der Komfortmodus regelt die Heizkörper auf 21°C.

Als weiteres Zubehör ist ein digitaler Wandthermostat erhältlich, mit dem sich die Heizungen in allen Räumen bequem bedienen lassen. Des weiteren verfügt der Wandthermostat über ein zusätzliches Thermometer, das die Raumtemperatur mißt und die Heizung im Raum genauer regeln kann als ein Thermometer direkt am Heizkörper. Außerdem läßt sich das System mit Zwischensteckern erweitern, die sich nach Programmierung oder aus der Ferne schalten lassen. Leider habe ich in diesem Zusammenhang noch nichts davon gelesen, daß diese Zwischenstecker den Stromverbrauch messen könnten – diese Funktion wäre für mich interessanter als das reine Schalten von Geräten.

Installation und Einrichtung mit Tücken

Wie bereits erwähnt, hinterläßt die Hardware des Systems einen guten Eindruck. Die Heizkörperthermostate ließen sich problemlos montieren und fielen während der automatischen Einrichtung auch nicht vom Heizkörper ab 😉 Auch die Montage des Eco-Schalters und des Fenstersensors verlief problemlos, und die Komponenten können wahlweise geklebt oder verschraubt werden. Die Installation der Basisstation ist einfach, denn sie benötigt lediglich Stromversorgung und einen Internetanschluß per RJ45-Patchkabel.

Nachdem die Einrichtung der Hardware zügig vonstatten ging, begann nun der Teil „Software“, der sich als tückischer erwies. Da auf der EWE-Website ausschließlich eine Windows-Software angeboten wurde, lud ich diese herunter und installierte sie in meiner virtuellen Windows-7-Maschine. Nach dem Start der Software öffnete sich ein Browserfenster, in dem die Anwendung initialisiert wurde. Nach der Initialisierung sollte eine Weiterleitung erfolgen, die abgebrochen wurde mit dem Hinweis, daß keine Station im Netzwerk gefunden werden konnte. Der Router zeigte die Basisstation jedoch inklusive IP-Adresse als online an. Da es keine Möglichkeit der manuellen Konfiguration gab, rief ich bei der EWE an und bat um Hilfe.

Der EWE-Support zeigte sich sehr bemüht und informierte mich zudem darüber, daß es eine Betaversion der Software für Mac OS X gäbe, was zunächst weitere Hoffnungen weckte. Als Grund, warum die Basisstation von der Windows-Software nicht gefunden werden konnte, vermutete die Mitarbeiterin, mein VDSL-Anschluß könnte bereits auf IPv6 umgestellt worden sein, und ich solle diesbezüglich einmal bei meinem Internetanbieter nachfragen. Dieser informierte mich dann allerdings darüber, daß mein Anschluß über eine native IPv4-Adresse verfüge und der Anschluß demnach kein Problem darstellt.

Nach dem Gespräch mit der EWE sendete mir die Mitarbeiterin einen Download-Link für die Betaversion unter Mac OS X zu. Sie warnte mich bereits vor, daß das Programm und OS X „Yosemite“ nicht lauffähig sei, weil dort die Java-Umgebung geändert wurde. Da mein iMac noch unter OS X 10.9 läuft, installierte ich die Software also dort, wurde jedoch leider direkt nach dem Start enttäuscht. Denn nach der Initialisierung der Software erschien eine Fehlermeldung, deren Schriftfarbe leider die gleiche ist wie ein Hintergrundbild, das die Meldung teilweise überdeckt. Wie dem auch sei und auch wenn die Meldung nur halb zu lesen ist: Die Software läuft auch unter OS X 10.9 nicht. Nach Angaben der EWE arbeitet man aber dran.

Netzwerk-Tüddeleien

Nachdem die Windows-Software die Station nach wie vor nicht gefunden hat, nahm ich mir noch einmal die Anleitung vor und sah dort mehrfach IP-Adressen aus dem Standard-Adressbereich „192.168.1.x“, woraufhin mir einfiel, daß der Standard-Adressbereich bei Fritzboxen aber „192.168.178.x“ lautet, was eine Überprüfung auch bestätigte. Also änderte ich nun den Adressbereich meines LAN auf „192.168.1.x“, und vergab alle Portfreigaben in der Firewall neu. Plötzlich fiel mir in der Fritzbox auf, daß die Windows-Instanz, auf der die EWE-Software lief, eine IP-Adresse aus einem ganz anderen Adressbereich hatte. Klar, war VMware auch so eingestellt, daß die Windows-Instanz eine eigene IP-Adresse bekommen sollte. Also stellte ich zusätzlich die Netzwerkeinstellungen in VMware auf „Shared Netzwerkverbindung“ um und startete Windows neu.

Et voilà: Nach dem Start der EWE-Software fand diese auf Anhieb die Basisstation im Netzwerk, und ich konnte mit der Einrichtung der Heizungsregler beginnen. Die Ausstattung der Software ist leider noch etwas spartanisch, alle Einstellungen lassen sich jedoch problemlos vornehmen. Nachdem alles eingerichtet war, lud ich die iPhone-App aus dem App Store herunter – auch diese Software funktionierte nach dem Login nun tadellos.

EWE Sparpaket Heizung ist ein etabliertes System

Während meiner Recherchen zum EWE Sparpaket Heizung stieß ich auf weitere Angebote anderer Hersteller, z.B. das Max!-System, das beim Elektronikhändler ELV aus Leer erhältlich ist oder auch das Smart Home-System von RWE. Alle Systeme basieren letztlich auf dem Max!-System, wobei die Software jeweils von Hersteller zu Hersteller variiert, und RWE baut sogar andere Gehäuse um die Komponenten. Für EWE-Kunden ist das EWE Sparpaket Heizung letztlich am Günstigsten, denn das durchaus üppig ausgestattete Startpaket kostet nur 149 Euro.

Bis zu 20% Heizkostenersparnis

Laut EWE soll man unter Verwendung des Sparpakets Heizung bis zu 20% Heizkosten sparen können. Inwiefern sich eine solche Ersparnis tatsächlich erreichen läßt, wird wohl individuell unterschiedlich sein. Aufgrund der automatischen Steuerung, auch bei spontanen Ereignissen wie dem Öffnen eines Fensters, kann ich mir jedoch vorstellen, daß es über das Jahr durchaus zu Ersparnissen kommen wird. Alles in allem bin ich mit dem System der EWE nun zufrieden und werde demnächst auch alle weiteren Räume damit ausstatten. Zwischenstecker werde ich erst anschaffen, wenn die Teile auch den Stromverbrauch messen können. Insgesamt sehe ich in dem System und allgemein im Smart Home Markt ein sehr großes Potenzial und bin gespannt, was uns die Zukunft, vielleicht auch schon im Jahr 2015, bringen wird.

Tipp für die Praxis

Wenn Ihr also Eurer 86-jährigen Oma dieses Set zu Weihnachten geschenkt haben solltet und sie Probleme bei der Installation hat, müßt Ihr ihr nur sagen, sie soll bitte den IP-Adreßbereich ihres LAN auf den Standardbereich 192.168.1.x mit Teilnetzmaske 255.255.255.0 setzen. Bei einer Firewall muß sie den Port 443 für die IP-Adresse ihrer Basisstation freigeben. Sollte sie einen Mac benutzen, muß sie außerdem eine Shared Netzwerkverbindung einrichten, dann sollte alles funktionieren :-)

Nachtrag: Probleme mit RAVL-Anschlüssen

Nachdem sich die beiden ersten Heizkörperthermostate problemlos montieren ließen, habe ich drei weitere Heizkörperthermostate für die übrigen Heizungen bestellt. An einer weiteren Heizung konnte ich bereits einen dritten Thermostat montieren, nur an zwei Heizkörpern mit sogenanntem „RAVL-Anschluß“ läßt sich der Thermostat zwar anbringen, während der Adaptierfahrt läuft der Adapter jedoch reproduzierbar und immer auf den Fehler „F2“ (Stellbereich zu groß).

Lösung: Wenn dieses Problem auftreten sollte, läßt sich dieses einfach und günstig beheben, nämlich zum Preis von einem oder zwei Cent. Einfach eine 1ct- oder 2ct-Münze zwischen Ventil und Heizkörper legen, um den Hubweg damit etwas zu verkürzen. Leider steht dieser Trick nicht im Handbuch, obwohl er sogar auch mit alten 1- und 2-Pfennig-Münzen funktioniert. Ich konnte nun die Thermostatventile an allen Heizkörpern montieren und in der Software einrichten.

    • Peter
    • 6. Jan. 2015

    Hallo,

    kann mir jemand bestätigen, das die Software ausschließlich bei EWE Kunden funktioniert?

    Viele Grüße
    Peter

    • Das weiß ich nicht genau, aber ich meine, daß das auch als Nicht-Kunde geht, denn man muß beim ersten Start der Software einen neuen Account anlegen, der m.E. nicht die EWE-Kundennummer abfragt. Am Besten zur Sicherheit einmal bei der EWE anrufen und nachfragen.

        • Peter
        • 7. Jan. 2015

        Hall Markus,
        Danke für die Antwort.

        Bei ebay bietet einer das Paket und schreibt dazu „Die Steuerungszentrale ist nur für EWE-Kunden nutzbar die einen Vertrag bei der EWE mit Strom, Gas oder Telefon Internet besitzen. Vielleicht ist es auch möglich die Steuerungszentrale ( Cube) mit der original EQ3 Max Firmware zu bespielen.
        Alle anderen Komponenten sind mit den EQ3 Max Smarthome Produkten nutzbar. “

        Deshalb bin ich jetzt unsicher, ich dachte auch es sind Komponenten ohne Branding.

        Ich versuche mal was rauszukriegen.

        • Peter
        • 7. Jan. 2015

        @Markus

        Alles klar, danke für deinen Beitrag hier.

        Antwort von EWE:

        „Guten Tag Herr XXX,

        das EWE Sparpaket-Heizung können Sie auch nutzen wenn Sie kein Kunde der EWE sind.“

    • Mike
    • 18. Apr. 2015

    Wann bringen die den endlich mal eine gescheite App raus.

    • Carsten Dirks
    • 3. Dez. 2015

    Ich habe heute mit dem EWE Support gesprochen, da ich nur einen Mac habe und kein Windows Rechner. Leider waren die nicht so nett, die Mac Beta Software zugänglich zu machen.

    Wie kann man denn an die Beta Software kommen?

    • Möglicherweise hat es sich die EWE doch anders überlegt und entwickelt erstmal nicht an der Mac-Version weiter – keine Ahnung. Bei mir hat die Beta auf dem Mac auch nie wirklich funktioniert, was aber nicht so schlimm ist, weil ich meist das iPhone nutze und hier zur Not auch noch eine Windows-Kiste rumstehen habe…

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