Klimaschutz mit Tunnelblick – Elektromobilität, Lobbyarbeit und die verdrängten Kosten

Elektromobilität ohne Ideologie

Dieser Artikel ist keine Abrechnung mit Elektromobilität. Er ist auch kein Versuch, eine technologische Entwicklung schlechtzureden, die für viele Menschen im Alltag durchaus funktioniert. Ich schreibe diesen Text, weil mir in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, dass zwischen politischer Erzählung, öffentlicher Wahrnehmung und physikalischer Realität eine Lücke entstanden ist, über die kaum noch gesprochen wird. Und ich schreibe ihn gerade nicht aus der Perspektive eines Außenstehenden. Ich fahre selbst seit Jahren einen Plug-in-Hybrid. Ich kenne das elektrische Fahren aus eigener Erfahrung, nicht aus Broschüren oder Talkshows. Ich weiß, wie angenehm es ist, lautlos durch die Stadt zu gleiten, wie direkt die Leistungsentfaltung ist, wie entspannt sich vieles anfühlt. Wer einmal regelmäßig elektrisch gefahren ist, versteht sehr schnell, warum diese Antriebsform emotional überzeugt. Daran gibt es nichts kleinzureden.

Gerade deshalb halte ich es für notwendig, einen Schritt zurückzutreten und nüchtern zu fragen: Was leisten diese Fahrzeuge tatsächlich – und zu welchem Preis, systemisch betrachtet?

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Was ist BRICS – und was nicht: Geschichte, Wirtschaft und geopolitische Einordnung

BRICS Staaten

Wer sich nüchtern die Zahlen anschaut, reibt sich zunächst die Augen: Die heutigen BRICS-Staaten vereinen fast die Hälfte der Weltbevölkerung auf sich. Milliarden Menschen leben in diesen Ländern, arbeiten dort, produzieren, konsumieren, bauen Infrastruktur auf und gestalten ihre Zukunft. Gemessen an Bevölkerung, Wirtschaftsleistung (vor allem in Kaufkraft) und Rohstoffen handelt es sich also keineswegs um eine Randerscheinung der Weltpolitik. Und doch spielen die BRICS-Staaten in der täglichen Berichterstattung westlicher Medien meist nur eine Nebenrolle – oft reduziert auf Einzelereignisse, Konflikte oder Schlagworte.

Genau an diesem Punkt setzt dieser Artikel an. Nicht, um BRICS zu feiern oder zu verteidigen, sondern um zu verstehen, was sich hinter dieser Abkürzung verbirgt, wie sie entstanden ist und warum sie heute eine Rolle spielt, die man nicht einfach ausblenden kann.

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Was unsere Opas vom Krieg erzählten – und warum diese Stimmen heute fehlen

Kriegserinnerungen der Großväter

Es wird viel über Krieg gesprochen. In Nachrichten, Talkshows, Kommentaren, sozialen Medien. Kaum ein Thema ist so präsent – und gleichzeitig so merkwürdig abstrakt. Zahlen, Karten, Frontverläufe, Einschätzungen von Experten. Man weiß, wo etwas passiert, wer beteiligt ist und was auf dem Spiel stehen soll. Was dabei fast vollständig fehlt, sind die Stimmen derer, die Krieg nicht erklärt, sondern erlebt haben.

Vielleicht liegt es daran, dass diese Stimmen langsam verstummen. Vielleicht aber auch daran, dass wir verlernt haben, ihnen zuzuhören.

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Wie war Syrien vor dem Krieg? Wer regiert heute? Was bedeutet das für Geflüchtete in Deutschland?

Syrien und Damaskus

Syrien ist für mich kein abstraktes Nachrichtenland, kein bloßer Krisenbegriff aus Schlagzeilen. Ich habe dieses Land – aus der Distanz, aber kontinuierlich – seit rund zwanzig Jahren verfolgt. Nicht aus politischem Aktivismus, sondern aus ehrlichem Interesse. Syrien war für mich immer ein Beispiel dafür, dass die Welt komplizierter ist als einfache Gut-und-Böse-Erzählungen. Ein Land im Nahen Osten, das säkular organisiert war, relativ stabil funktionierte und gesellschaftlich deutlich moderner wirkte, als es viele erwartet hätten.

Ein zusätzlicher Punkt, der mein Interesse früh geweckt hat, war die Person Baschar al-Assad selbst. Ein Mann, der in der Schweiz studiert hatte, als Augenarzt ausgebildet war, westliche Lebensrealitäten kannte – und dann an der Spitze eines nahöstlichen Staates stand. Das passte nicht in die üblichen Schablonen. Umso irritierender war es für mich zu beobachten, wie schnell sich die öffentliche Wahrnehmung verengte, wie aus einem komplexen Staat innerhalb weniger Jahre ein reines Symbol für Gewalt, Flucht und moralische Vereinfachung wurde. Der Schock bestand für mich weniger darin, dass Syrien in einen Krieg geriet – die Geschichte kennt viele solche Brüche –, sondern darin, wie wenig Raum danach noch für Differenzierung blieb. Dieser Artikel ist deshalb auch ein Versuch, wieder Ordnung in ein Thema zu bringen, das medial oft nur noch als Chaos erzählt wird.

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Sinkende Gasspeicher in Deutschland: Technik, Grenzen und politische Konsequenzen

Gasspeicher in Deutschland

Wenn in den Nachrichten von „40 Prozent Füllstand der Gasspeicher“ die Rede ist, klingt das zunächst abstrakt. Prozentzahlen wirken technisch, weit weg vom Alltag. Und doch steckt dahinter etwas sehr Konkretes: die Frage, wie stabil unsere Energieversorgung wirklich ist – nicht theoretisch, sondern im ganz praktischen Alltag.

Gas wird in Deutschland nicht nur für Industrieanlagen oder Kraftwerke gebraucht. Es heizt Wohnungen, versorgt Warmwasser, treibt Fernwärmenetze an und ist in vielen Regionen nach wie vor das zentrale Rückgrat der Energieversorgung. Anders als Strom lässt sich Gas aber nicht beliebig „auf Knopfdruck“ erzeugen. Es muss gefördert, transportiert – und vor allem gespeichert werden.

Genau hier kommen die Gasspeicher ins Spiel. Sie sind so etwas wie der Vorratsschrank des Landes. Solange er gut gefüllt ist, macht sich kaum jemand Gedanken. Wird er sichtbar leerer, tauchen Fragen auf: Reicht das noch? Für wie lange? Und was passiert, wenn es weiter bergab geht?

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Mehr als Punk: Nina Hagen, Cosma Shiva und die Kunst, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Nina und Cosma Shiva Hagen im Portrait

Wenn Du Dich einem Porträt von Nina Hagen näherst, ist die Versuchung groß, zuerst über Musik zu sprechen. Über Punk, Provokation, schrille Auftritte. Über all das, was laut ist und sichtbar. Dieses Porträt beginnt bewusst anders. Nicht bei Songs, nicht bei Stilen, nicht bei Bildern. Sondern bei etwas, das leiser ist – und tragender: Haltung.

Haltung ist kein Etikett. Sie lässt sich nicht anziehen wie ein Kostüm, nicht nachträglich aufkleben, nicht mit Marketing erklären. Haltung zeigt sich im frühen Verhalten, lange bevor jemand berühmt wird. Sie zeigt sich darin, wie jemand auf Begrenzungen reagiert, auf Widersprüche, auf Macht. Und genau dort wird Nina Hagen interessant – nicht als Ikone, sondern als Persönlichkeit.

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Nord Stream Sprengung: Sabotage, Machtpolitik und die unbequemen offenen Fragen

Nord Stream Sprengung

Wenn Menschen über Energie reden, denken viele zuerst an Strom – an Licht, an Steckdosen, an Kraftwerke. In der Realität hängt Europas Alltag jedoch an einem stilleren Fundament: an Wärme und Prozessenergie. Erdgas ist dabei über Jahrzehnte zu einer Art unsichtbarem Rückgrat geworden. Nicht, weil es besonders „schön“ wäre, sondern weil es praktisch ist: Es lässt sich gut transportieren, relativ flexibel einsetzen und in großen Mengen zuverlässig bereitstellen. Für Privathaushalte bedeutet das Heizung und warmes Wasser. Für die Industrie bedeutet es vor allem eines: planbare Produktion.

Gerade in Branchen wie Chemie, Glas, Stahl, Papier, Keramik oder Düngemittel ist Energie nicht einfach ein Kostenfaktor, den man „optimiert“. Energie ist dort ein Bestandteil des Prozesses. Fällt sie aus oder wird unzuverlässig, steht nicht nur eine Maschine still – dann steht oft ein gesamtes Werk, manchmal eine ganze Lieferkette. Das ist der Punkt, an dem „Energiepolitik“ aufhört, ein abstraktes Streitthema zu sein, und anfängt, ganz konkret über Arbeitsplätze, Preise, Verfügbarkeit und Stabilität zu entscheiden. Wer das verstanden hat, versteht auch, warum Nord Stream für Europa weit mehr war als ein Infrastrukturprojekt am Meeresboden.

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Vicco von Bülow alias Loriot – Ordnung, Form und der leise Widerstand des Humors

Es gibt Künstler, die drücken ihre Meinung wie einen Stempel aufs Papier: sichtbar, unübersehbar, manchmal auch ein wenig billig. Und dann gibt es Vicco von Bülow – Loriot –, der das Gegenteil verkörpert: Haltung ohne Getöse. Er konnte, wenn er wollte, sehr deutlich werden. Aber er tat es nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit einer Präzision, die erst zum Lachen führt und dann – fast unmerklich – den Ernst nachliefert. Gerade in späteren Interviews zeigt sich das: Er redet nicht in Parolen, sondern in Nuancen. Zwischen den Zeilen steckt oft mehr Klartext, als man in mancher lauten Rede findet.

Und vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Porträt: Nicht bei den berühmten Sketchen, nicht bei den Zitaten, die jeder kennt, sondern bei der Frage, wie ein Mensch so wird, dass er die Welt gleichzeitig freundlich und unerbittlich genau betrachten kann.

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