Magazin für Europa, KI, Digitalisierung & Gesellschaft

Aktuelle Beiträge

Vom Commodore C16 bis WordPress: Eine Reise durch die frühen Jahre des Internets

Vom Modem zum Internet und Magazin

Wenn Du heute ein Smartphone in die Hand nimmst, steckt darin mehr Rechenleistung als früher in ganzen Computerräumen. In den 1980er-Jahren war das noch völlig anders. Computer waren selten, teuer und für viele Menschen eine geheimnisvolle Maschine. Wer damals einen eigenen Heimcomputer hatte, gehörte zu einer kleinen Gruppe von Bastlern, Tüftlern und Neugierigen. Das Spannende war: Man konsumierte Computer nicht einfach nur. Man musste sie verstehen. Viele Programme gab es nicht fertig zu kaufen. Stattdessen standen in Computerzeitschriften seitenlange Listings mit BASIC-Code, die man Zeile für Zeile abtippen musste. Erst danach konnte man sehen, ob das Programm überhaupt funktionierte.

Das klingt heute mühsam, hatte aber einen großen Vorteil. Man lernte automatisch, wie Computer funktionieren. Wer einen Fehler machte, bekam sofort eine Fehlermeldung – und musste selbst herausfinden, wo der Fehler lag. Auf diese Weise entstand bei vielen jungen Computerfans ein ganz natürlicher Zugang zu Technik und Programmierung.

Genau in dieser Zeit begann auch mein eigener Weg in die Welt der Computer.

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Vom Ende der Wehrpflicht bis zu Schulstreiks: Die neue Debatte über Bundeswehr und Bildung

Schulstreiks zu Wehrpflicht und Bundeswehr in der Schule

Als ich in den 90er Jahren selbst zur Bundeswehr eingezogen wurde, war das noch ein ziemlich normaler Teil des Lebenswegs vieler junger Männer in Deutschland. Wer die Schule beendet hatte, machte entweder Zivildienst oder Wehrdienst. Das gehörte damals einfach dazu – ähnlich wie eine Ausbildung oder das Studium. Man sprach darüber, man wusste ungefähr, was einen erwartete, und irgendwo hatte fast jeder im Bekanntenkreis jemanden, der gerade beim Bund war oder es kurz zuvor gewesen war.

Ich selbst habe meinen Wehrdienst ebenfalls abgeleistet. Große ideologische Debatten gab es in meinem Umfeld darüber nicht. Natürlich gab es Kritik am Militär oder auch Diskussionen über Auslandseinsätze – aber die Bundeswehr war grundsätzlich ein normaler Bestandteil des Staates. Sie war vorhanden, aber sie spielte im Alltag der meisten Menschen keine besonders dominante Rolle. Interessanterweise galt das auch für die Schule.

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Als ich mit einem Roboter telefonierte – wie KI das Telefon erobert und wie man sie erkennt

Telefongespräch mit einem KI-Roboter

Es gibt Momente im Alltag, die zunächst vollkommen banal wirken. Man sitzt am Schreibtisch, arbeitet an einem Artikel, denkt über ein neues Thema nach – und plötzlich klingelt das Telefon. Eine Nummer, die man nicht kennt. In meinem Fall war es eine Vorwahl aus dem Ruhrgebiet: 0233 irgendwas. Solche Anrufe bekommt man als Selbstständiger gelegentlich. Meistens geht es um Werbung, irgendwelche Dienstleistungen oder Beratungen, die man eigentlich gar nicht braucht.

Also nahm ich den Anruf zunächst völlig normal entgegen. Am anderen Ende meldete sich eine freundliche Frauenstimme. Sie stellte sich als Mitarbeiterin vor, die im Zusammenhang mit Facebook und Instagram arbeite. Es ging – wenig überraschend – um Werbung. Um Anzeigen. Um Reichweite. Um Sichtbarkeit für Unternehmen.

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Europa zwischen Meinungsfreiheit und Regulierung: Neues US-Infoportal wirft Fragen auf

EU-Zensur, Hatespeech und das neue US-Portal

Neulich bin ich über eine Information gestolpert, die mich zunächst eher beiläufig interessiert hat – und dann doch nicht mehr losließ. In einem Bericht war davon die Rede, dass die US-Regierung ein neues Online-Portal plane. Ein Portal, das Inhalte zugänglich machen soll, die in bestimmten Regionen der Welt gesperrt sind. Genannt wurden Länder wie Iran oder China. Doch dann fiel ein weiterer Begriff: Europa.

Europa.

Der Gedanke, dass amerikanische Stellen ein Informationsportal entwickeln, das ausdrücklich auch für europäische Bürger gedacht sein soll, weil bestimmte Inhalte hier nicht mehr erreichbar sind, hat mich stutzig gemacht. Nicht empört oder panisch, aber hellhörig. Wenn Europa plötzlich in einem Atemzug mit klassischen Zensurräumen genannt wird, dann lohnt es sich, genauer hinzusehen.

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Johann Sebastian Bach – Ordnung, Haltung und das Fundament unserer Musik

Johann Sebastian Bach Portrait

Als Kind und Jugendlicher bin ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Beide Eltern sind Musiklehrer. Meine Mutter spielt Querflöte, mein Vater Klavier. Musik war bei uns zu Hause kein dekorativer Hintergrund, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Es wurde geübt, unterrichtet, diskutiert, manchmal auch gerungen. Noten lagen aufgeschlagen auf dem Flügel, nicht im Schrank.

Ich selbst habe Klavier gespielt, später auch Saxophon. Und wie so viele, die eine klassische Ausbildung durchlaufen, bin ich irgendwann bei Johann Sebastian Bach gelandet – genauer gesagt beim ersten Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Ich kann es noch spielen. Vielleicht nicht mehr makellos, ich müsste wieder üben. Aber die Struktur dieses Stückes ist mir bis heute präsent. Diese ruhige Folge gebrochener Akkorde, die klare Harmonie, die selbstverständliche Ordnung – schon als Schüler spürt man, dass hier etwas Tragendes geschieht. Dieses Portrait ist meiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag gewidmet, die mir den Klavierunterricht zu jener Zeit ermöglichte.

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CMD und neue Zahnkrone: Wie eine minimale Fehlhöhe den Körper beeinflusst

CMD und neue Zahnkrone

Es begann unspektakulär. Kein Unfall, kein lauter Knall, kein dramatischer Moment. Eine alte Krone an einem unteren Backenzahn zerbröselte schlichtweg. So etwas passiert irgendwann. Materialien altern, Belastungen summieren sich über Jahre. Ich habe mir darüber zunächst keine großen Gedanken gemacht. Es war kein Notfall, eher ein technisches Problem – etwas, das man repariert und dann abhakt.

Der Termin beim Zahnarzt war entsprechend routiniert. Untersuchung, kurzer Blick, sachliche Erklärung. Die alte Krone musste runter, darunter wurde gereinigt, vorbereitet, aufgebaut. Nichts Außergewöhnliches. Keine langen Diskussionen, keine komplizierten Entscheidungen. Doch leider zeigte sich bald, dass das Problem größer werden und länger andauern würde als zunächst erwartet.

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Cancel Culture im Westen: Sport, Universitäten, Militär und EU-Sanktionen analysiert

Cancel Culture im Westen

Wenn man heute das Wort „Cancel Culture“ hört, denkt man schnell an Universitäten, soziale Netzwerke oder an prominente Einzelpersonen, die wegen einer unbedachten Äußerung unter Druck geraten. Ursprünglich war das Phänomen tatsächlich stark im kulturellen und akademischen Raum verortet. Es ging um Boykotte, um Proteste, um symbolische Distanzierungen. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verschoben. Die Dynamik ist gewachsen, sie ist ernster geworden – und vor allem: Sie ist politischer geworden.

Heute beobachten wir nicht nur einzelne Debatten um Vorträge oder Twitter-Posts. Wir sehen Sportler, die nicht starten dürfen. Künstler, deren Programme gestrichen werden. Professoren, die unter massiven Druck geraten. Militärs, deren Aussagen binnen Stunden internationale Wellen schlagen. Staaten, die Listen führen. Einreiseverbote. Sanktionen, die nicht nur Institutionen, sondern konkrete Personen treffen.

Das ist mehr als ein kulturelles Randphänomen. Es ist ein politischer Mechanismus geworden.

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Mit KI dialogisch denken lernen: Warum gute Fragen wichtiger sind als gute Modelle

Dialogisch denken lernen mit KI

Der Begriff „KI als Sparringspartner“ taucht inzwischen häufig auf. Meist ist damit gemeint, dass eine KI beim Schreiben hilft, Ideen generiert oder Aufgaben schneller erledigt. Ein erster Grundlagenartikel dazu wurde bereits im Magazin veröffentlicht. Dieser Artikel soll nun in der Realität zeigen, wie man KI als effektiven Denkpartner einsetzen kann. In der Praxis zeigt sich: Eine KI wird erst dann wirklich interessant, wenn man sie nicht wie ein Werkzeug behandelt, sondern wie ein Gegenüber. Nicht im menschlichen Sinn, sondern als etwas, das antwortet, widerspricht, weiterführt – oder auch gnadenlos offenlegt, wo das eigene Denken unsauber ist.

Genau an diesem Punkt beginnt der eigentliche Nutzen. Nicht dort, wo die KI „liefert“, sondern dort, wo sie reagiert. Wo sie nicht einfach abarbeitet, sondern Denkbewegungen sichtbar macht. Das ist unbequemer als ein klassisches Tool – aber auch nachhaltiger.

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