Mehr als Punk: Nina Hagen, Cosma Shiva und die Kunst, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Nina und Cosma Shiva Hagen im Portrait

Wenn Du Dich einem Porträt von Nina Hagen näherst, ist die Versuchung groß, zuerst über Musik zu sprechen. Über Punk, Provokation, schrille Auftritte. Über all das, was laut ist und sichtbar. Dieses Porträt beginnt bewusst anders. Nicht bei Songs, nicht bei Stilen, nicht bei Bildern. Sondern bei etwas, das leiser ist – und tragender: Haltung.

Haltung ist kein Etikett. Sie lässt sich nicht anziehen wie ein Kostüm, nicht nachträglich aufkleben, nicht mit Marketing erklären. Haltung zeigt sich im frühen Verhalten, lange bevor jemand berühmt wird. Sie zeigt sich darin, wie jemand auf Begrenzungen reagiert, auf Widersprüche, auf Macht. Und genau dort wird Nina Hagen interessant – nicht als Ikone, sondern als Persönlichkeit.

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Zustand der deutschen Wirtschaft 2025: Fünf Jahre Krise, Zahlen, Trends und Ausblick

Zustand Deutsche Wirtschaft 2025

Wenn man heute auf die deutsche Wirtschaft schaut, ist es fast unmöglich, die letzten fünf Jahre voneinander zu trennen. Es war eine Kette von Ereignissen, die sich überlagert, verstärkt und teilweise gegenseitig blockiert haben. Der Startpunkt war 2020 – das Jahr, in dem die Pandemie das öffentliche Leben, die Lieferketten und ganze Branchen auf einen Schlag zum Stillstand brachte. Viele Unternehmen mussten schließen, Produktionen wurden unterbrochen, und staatliche Hilfen sollten kurzfristig verhindern, dass die Wirtschaft komplett einbricht.

Was damals wie eine vorübergehende Ausnahmesituation wirkte, entwickelte sich jedoch zu etwas Größerem: Die Folgen der damaligen Entscheidungen ziehen sich bis heute durch den Alltag von Unternehmern, Selbstständigen und Arbeitnehmern. Wer damals dachte, dass nach ein paar Monaten alles wieder „sein wird wie früher“, sieht inzwischen, dass sich vieles dauerhaft verändert hat.

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Warum Dieter Bohlen spricht, wenn andere schweigen: Ein Porträt über Fleiß und Klarheit

Es gibt Persönlichkeiten, die man erst dann richtig versteht, wenn man sich von ihrem öffentlichen Image löst. Dieter Bohlen gehört genau in diese Kategorie. Musikalisch bin ich selbst kein großer Fan seiner seichten, oft sehr einfachen Melodien – und doch muss man der Fairness halber sagen: Für die 1980er-Jahre war das, was er geschaffen hat, handwerklich ausgesprochen präzise, zielgruppenorientiert und klar strukturiert. Bohlen war nie der große Künstler im romantischen Sinne. Aber er war ein hervorragender Kaufmann, ein fleißiger Arbeiter und jemand, der sein Handwerk verstand, wie es heute nur noch wenige tun.

Was ihn interessant macht, ist für mich nicht so sehr seine Musik – sondern die Tatsache, dass er über Jahrzehnte hinweg erfolgreich blieb, während um ihn herum ganze Generationen von Künstlern kamen und gingen. Und dass er heute – nach langen Jahren des Schweigens – plötzlich zu gesellschaftlichen Fragen klar Stellung bezieht. Das ist der Grund, warum es sich lohnt, die Person Dieter Bohlen einmal jenseits des üblichen Medienbildes zu betrachten: nicht als Pop-Titan, nicht als TV-Sprücheklopfer, sondern als Handwerker, Kaufmann und Spiegel einer Zeit, die sich selbst immer weniger versteht.

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Das 28. Regime der EU: Der stille Umbau des europäischen Wirtschaftsraums?

28. EU-Regime

Im Moment spricht halb Europa über das sogenannte „28. Regime“. Viele fragen sich, was das eigentlich sein soll. Ein neuer Staat? Ein geheimes EU-Projekt? Oder einfach nur ein weiterer Versuch, den Binnenmarkt zu modernisieren? Tatsächlich handelt es sich um ein Konzept, das zwar groß klingt, aber im Kern erst einmal eine zusätzliche Unternehmensform beschreibt, die optional und rein freiwillig sein soll. Der Name „28. Regime“ kommt daher, dass es neben den 27 nationalen Rechtsordnungen ein weiteres Regelwerk gäbe – wie ein zusätzliches Werkzeug in einer bereits vollen Werkzeugkiste.

Die Idee dahinter ist nicht über Nacht entstanden. Schon seit Jahren klagen Start-ups, Investoren und auch manche Mittelständler darüber, dass die EU aus 27 sehr unterschiedlichen Wirtschaftsräumen besteht. Je nachdem, in welchem Land man startet, muss man andere Regeln beachten: andere Gründungsformalitäten, andere Haftungsregeln, andere Vorgaben für Mitarbeiterbeteiligungen oder Kapitalaufnahme. Für internationale Tech-Unternehmen ist das ein Hindernis, für Gründer oft abschreckend. Genau hier wollen die EU-Institutionen ansetzen.

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Auswandern nach Tschechien: Mein Weg, meine Gründe, meine Pläne

Auswandern nach Tschechien

Manche Entscheidungen entstehen über Nacht – andere wachsen langsam. In meinem Fall war es Letzteres. Die Idee, Deutschland zu verlassen und ein neues Kapitel im Ausland aufzuschlagen, begleitet mich schon seit Jahren. Aber wie das Leben eben so spielt, kam immer wieder etwas dazwischen: Verpflichtungen, Projekte, persönliche Bindungen – und nicht zuletzt auch die bequeme Vertrautheit mit dem, was man kennt. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem man spürt:

Jetzt reicht es. Jetzt ist der Zeitpunkt da, an dem man handeln muss.

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MCS: Wenn das Leben dich zum dritten Mal zwingt umzuziehen

Drei erzwungene Umzüge wegen MCS (Multiple Chemical Sensitivity)

Ich schreibe diese Zeilen aus einer Ferienwohnung in Pilsen, Tschechien. Es ist ein einfacher, klar strukturierter Ort. Küche, WLAN, ein guter Tisch zum Arbeiten. Alles, was ich brauche – nicht mehr, nicht weniger. Ich bin nicht hier, weil ich Urlaub mache. Ich bin auch nicht hier, um einer Laune zu folgen oder ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich bin hier, weil ich musste.

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