Was ist der Sinn des Lebens? Religionen, Philosophen und Helmut Thielicke im Vergleich

Die Frage nach dem Sinn des Lebens

Es gibt Fragen, die begleiten die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Fragen, die nie wirklich verschwinden, egal wie modern unsere Welt wird. Eine dieser Fragen lautet wahrscheinlich ganz einfach: Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

Interessanterweise taucht die Antwort „42“ dabei heute immer wieder auf – meist mit einem kleinen Schmunzeln. Der Hintergrund stammt aus „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ von Douglas Adams. In der Geschichte baut eine hochentwickelte Zivilisation einen gigantischen Supercomputer, der über Millionen Jahre hinweg die „Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ berechnen soll. Das Ergebnis lautet am Ende schlicht: 42. Das Absurde daran: Niemand weiß am Ende eigentlich mehr genau, wie die ursprüngliche Frage lautete.

Genau deshalb wurde diese Szene weltberühmt. Sie ist lustig, aber gleichzeitig erstaunlich tiefgründig. Denn vielleicht beschreibt sie ein menschliches Grundproblem ziemlich treffend: Wir suchen oft verzweifelt nach Antworten, ohne überhaupt genau zu wissen, welche Frage wir eigentlich stellen.

Weiterlesen

Apple im Wandel: Frühe Geräte, eigene Erfahrungen und eine Ausstellung im OCM

Apple Macintosh Classic und Color Classic

Wenn Du Dich für Computergeschichte interessierst, lohnt sich ein Blick ins Oldenburger Computer-Museum ganz besonders. Das Museum gehört zu den Orten, die nicht laut auftreten müssen, um Eindruck zu hinterlassen und bietet ab April eine Sonderausstellung unter dem Motto „50 Jahre Apple Computer“. Seit vielen Jahren wird dort Technik nicht nur ausgestellt, sondern lebendig gehalten. Geräte stehen nicht hinter Glas, sondern oft betriebsbereit auf Tischen – so, wie sie früher tatsächlich genutzt wurden.

Gerade das macht den Unterschied. Du siehst dort nicht einfach alte Computer, sondern Du bekommst ein Gefühl dafür, wie sich Arbeiten, Spielen und Denken mit diesen Maschinen angefühlt hat. Von frühen Heimcomputern über klassische Bürorechner bis hin zu besonderen Einzelstücken ist alles vertreten – sorgfältig gesammelt, gepflegt und vor allem verständlich eingeordnet.

Weiterlesen

Johann Sebastian Bach – Ordnung, Haltung und das Fundament unserer Musik

Johann Sebastian Bach Portrait

Als Kind und Jugendlicher bin ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Beide Eltern sind Musiklehrer. Meine Mutter spielt Querflöte, mein Vater Klavier. Musik war bei uns zu Hause kein dekorativer Hintergrund, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Es wurde geübt, unterrichtet, diskutiert, manchmal auch gerungen. Noten lagen aufgeschlagen auf dem Flügel, nicht im Schrank.

Ich selbst habe Klavier gespielt, später auch Saxophon. Und wie so viele, die eine klassische Ausbildung durchlaufen, bin ich irgendwann bei Johann Sebastian Bach gelandet – genauer gesagt beim ersten Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Ich kann es noch spielen. Vielleicht nicht mehr makellos, ich müsste wieder üben. Aber die Struktur dieses Stückes ist mir bis heute präsent. Diese ruhige Folge gebrochener Akkorde, die klare Harmonie, die selbstverständliche Ordnung – schon als Schüler spürt man, dass hier etwas Tragendes geschieht. Dieses Portrait ist meiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag gewidmet, die mir den Klavierunterricht zu jener Zeit ermöglichte.

Weiterlesen

Cancel Culture im Westen: Sport, Universitäten, Militär und EU-Sanktionen analysiert

Cancel Culture im Westen

Wenn man heute das Wort „Cancel Culture“ hört, denkt man schnell an Universitäten, soziale Netzwerke oder an prominente Einzelpersonen, die wegen einer unbedachten Äußerung unter Druck geraten. Ursprünglich war das Phänomen tatsächlich stark im kulturellen und akademischen Raum verortet. Es ging um Boykotte, um Proteste, um symbolische Distanzierungen. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verschoben. Die Dynamik ist gewachsen, sie ist ernster geworden – und vor allem: Sie ist politischer geworden.

Heute beobachten wir nicht nur einzelne Debatten um Vorträge oder Twitter-Posts. Wir sehen Sportler, die nicht starten dürfen. Künstler, deren Programme gestrichen werden. Professoren, die unter massiven Druck geraten. Militärs, deren Aussagen binnen Stunden internationale Wellen schlagen. Staaten, die Listen führen. Einreiseverbote. Sanktionen, die nicht nur Institutionen, sondern konkrete Personen treffen.

Das ist mehr als ein kulturelles Randphänomen. Es ist ein politischer Mechanismus geworden.

Weiterlesen

Helge Schneider: Haltung, Humor und die Freiheit, sich nicht erklären zu müssen

Helge Schneider Portrait

Helge Schneider ist mir schon sehr früh aufgefallen. Nicht, weil er besonders laut gewesen wäre oder sich in den Vordergrund gedrängt hätte – eher im Gegenteil. Es war diese eigentümliche Mischung aus intelligenter Absurdität, sprachlichem Seitwärtsdenken und musikalischer Selbstverständlichkeit, die hängen blieb. Etwas daran wirkte von Anfang an anders. Unaufgeregt. Unbeeindruckt. Und vor allem: nicht erklärungsbedürftig.

Dieses Porträt ist deshalb kein Fantext. Es ist auch kein ironisches Augenzwinkern und kein Versuch, Helge Schneider in eine kulturelle Schublade zu sortieren. Es ist vielmehr der Versuch, eine Persönlichkeit zu betrachten, die sich seit Jahrzehnten konsequent jeder Vereinnahmung entzieht – und gerade dadurch Haltung zeigt.

Weiterlesen

Wie war Syrien vor dem Krieg? Wer regiert heute? Was bedeutet das für Geflüchtete in Deutschland?

Syrien und Damaskus

Syrien ist für mich kein abstraktes Nachrichtenland, kein bloßer Krisenbegriff aus Schlagzeilen. Ich habe dieses Land – aus der Distanz, aber kontinuierlich – seit rund zwanzig Jahren verfolgt. Nicht aus politischem Aktivismus, sondern aus ehrlichem Interesse. Syrien war für mich immer ein Beispiel dafür, dass die Welt komplizierter ist als einfache Gut-und-Böse-Erzählungen. Ein Land im Nahen Osten, das säkular organisiert war, relativ stabil funktionierte und gesellschaftlich deutlich moderner wirkte, als es viele erwartet hätten.

Ein zusätzlicher Punkt, der mein Interesse früh geweckt hat, war die Person Baschar al-Assad selbst. Ein Mann, der in der Schweiz studiert hatte, als Augenarzt ausgebildet war, westliche Lebensrealitäten kannte – und dann an der Spitze eines nahöstlichen Staates stand. Das passte nicht in die üblichen Schablonen. Umso irritierender war es für mich zu beobachten, wie schnell sich die öffentliche Wahrnehmung verengte, wie aus einem komplexen Staat innerhalb weniger Jahre ein reines Symbol für Gewalt, Flucht und moralische Vereinfachung wurde. Der Schock bestand für mich weniger darin, dass Syrien in einen Krieg geriet – die Geschichte kennt viele solche Brüche -, sondern darin, wie wenig Raum danach noch für Differenzierung blieb. Dieser Artikel ist deshalb auch ein Versuch, wieder Ordnung in ein Thema zu bringen, das medial oft nur noch als Chaos erzählt wird.

Weiterlesen

Mehr als Punk: Nina Hagen, Cosma Shiva und die Kunst, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Nina und Cosma Shiva Hagen im Portrait

Wenn Du Dich einem Porträt von Nina Hagen näherst, ist die Versuchung groß, zuerst über Musik zu sprechen. Über Punk, Provokation, schrille Auftritte. Über all das, was laut ist und sichtbar. Dieses Porträt beginnt bewusst anders. Nicht bei Songs, nicht bei Stilen, nicht bei Bildern. Sondern bei etwas, das leiser ist – und tragender: Haltung.

Haltung ist kein Etikett. Sie lässt sich nicht anziehen wie ein Kostüm, nicht nachträglich aufkleben, nicht mit Marketing erklären. Haltung zeigt sich im frühen Verhalten, lange bevor jemand berühmt wird. Sie zeigt sich darin, wie jemand auf Begrenzungen reagiert, auf Widersprüche, auf Macht. Und genau dort wird Nina Hagen interessant – nicht als Ikone, sondern als Persönlichkeit.

Weiterlesen

Iran verstehen: Alltag, Proteste und Interessen jenseits der Schlagzeilen

Iran verstehen

Kaum ein Land ruft so feste Bilder hervor wie der Iran. Noch bevor ein einzelnes Detail genannt wird, sind die Assoziationen bereits da: Mullahs, Unterdrückung, Proteste, religiöser Fanatismus, ein Staat im permanenten Konflikt mit der eigenen Bevölkerung. Diese Bilder sind so vertraut, dass sie kaum noch hinterfragt werden. Sie wirken selbstverständlich, fast wie Allgemeinwissen.

Und genau darin liegt das Problem. Denn dieses „Wissen“ stammt selten aus eigener Anschauung. Es stammt aus Schlagzeilen, aus Kommentaren, aus jahrelang wiederholten Erzählungen. Der Iran ist eines jener Länder, über die viele Menschen sehr klare Meinungen haben – obwohl sie nie dort waren, keine Sprache sprechen, keinen Alltag kennen. Das Bild ist vollständig, geschlossen, scheinbar widerspruchsfrei. Und gerade deshalb wirkt es so überzeugend. Doch was passiert, wenn ein Bild zu glatt wird?

Weiterlesen