Wer ist eigentlich J. D. Vance? Ein Portrait zu Herkunft, Karriere, Widersprüchen und Zukunft

Wer ist J. D. Vance?

In der internationalen Berichterstattung über die Vereinigten Staaten dominieren meist die großen, lauten Figuren. Namen, die polarisieren, die provozieren, die Schlagzeilen erzeugen. Für viele europäische Beobachter ist Politik in den USA daher oft ein Wechselspiel aus Zuspitzung, Konflikt und klar erkennbaren Gegensätzen. Und dann taucht plötzlich ein Name auf, der zunächst gar nicht in dieses Bild passt: J. D. Vance.

Kein klassischer Lautsprecher. Kein Mann der großen Gesten. Kein Politiker, der sofort durch markige Worte auffällt. Und doch ist er plötzlich da – in Interviews, in Analysen, in politischen Debatten. Nicht als Randfigur, sondern als jemand, der offensichtlich eine Rolle spielt, die größer ist, als sie auf den ersten Blick wirkt. Für viele Leser in Deutschland oder Europa beginnt an genau diesem Punkt die eigentliche Frage: Wer ist dieser Mann überhaupt – und warum wird er plötzlich so wichtig?

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Johann Sebastian Bach – Ordnung, Haltung und das Fundament unserer Musik

Johann Sebastian Bach Portrait

Als Kind und Jugendlicher bin ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Beide Eltern sind Musiklehrer. Meine Mutter spielt Querflöte, mein Vater Klavier. Musik war bei uns zu Hause kein dekorativer Hintergrund, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Es wurde geübt, unterrichtet, diskutiert, manchmal auch gerungen. Noten lagen aufgeschlagen auf dem Flügel, nicht im Schrank.

Ich selbst habe Klavier gespielt, später auch Saxophon. Und wie so viele, die eine klassische Ausbildung durchlaufen, bin ich irgendwann bei Johann Sebastian Bach gelandet – genauer gesagt beim ersten Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Ich kann es noch spielen. Vielleicht nicht mehr makellos, ich müsste wieder üben. Aber die Struktur dieses Stückes ist mir bis heute präsent. Diese ruhige Folge gebrochener Akkorde, die klare Harmonie, die selbstverständliche Ordnung – schon als Schüler spürt man, dass hier etwas Tragendes geschieht. Dieses Portrait ist meiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag gewidmet, die mir den Klavierunterricht zu jener Zeit ermöglichte.

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Helge Schneider: Haltung, Humor und die Freiheit, sich nicht erklären zu müssen

Helge Schneider Portrait

Helge Schneider ist mir schon sehr früh aufgefallen. Nicht, weil er besonders laut gewesen wäre oder sich in den Vordergrund gedrängt hätte – eher im Gegenteil. Es war diese eigentümliche Mischung aus intelligenter Absurdität, sprachlichem Seitwärtsdenken und musikalischer Selbstverständlichkeit, die hängen blieb. Etwas daran wirkte von Anfang an anders. Unaufgeregt. Unbeeindruckt. Und vor allem: nicht erklärungsbedürftig.

Dieses Porträt ist deshalb kein Fantext. Es ist auch kein ironisches Augenzwinkern und kein Versuch, Helge Schneider in eine kulturelle Schublade zu sortieren. Es ist vielmehr der Versuch, eine Persönlichkeit zu betrachten, die sich seit Jahrzehnten konsequent jeder Vereinnahmung entzieht – und gerade dadurch Haltung zeigt.

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Mehr als Punk: Nina Hagen, Cosma Shiva und die Kunst, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Nina und Cosma Shiva Hagen im Portrait

Wenn Du Dich einem Porträt von Nina Hagen näherst, ist die Versuchung groß, zuerst über Musik zu sprechen. Über Punk, Provokation, schrille Auftritte. Über all das, was laut ist und sichtbar. Dieses Porträt beginnt bewusst anders. Nicht bei Songs, nicht bei Stilen, nicht bei Bildern. Sondern bei etwas, das leiser ist – und tragender: Haltung.

Haltung ist kein Etikett. Sie lässt sich nicht anziehen wie ein Kostüm, nicht nachträglich aufkleben, nicht mit Marketing erklären. Haltung zeigt sich im frühen Verhalten, lange bevor jemand berühmt wird. Sie zeigt sich darin, wie jemand auf Begrenzungen reagiert, auf Widersprüche, auf Macht. Und genau dort wird Nina Hagen interessant – nicht als Ikone, sondern als Persönlichkeit.

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Dieter Hallervorden – Mehr als Didi: Porträt eines unbequemen Freigeists

Dieter Hallervorden und die Wühlmäuse in Berlin

Es gibt Figuren, die kleben einem Menschen ein Leben lang an den Fersen. Manche wie ein schlecht sitzender Anzug, andere wie ein alter Freund, der ungefragt immer wieder vorbeikommt. Bei Dieter Hallervorden heißt dieser Freund „Didi“. Und er klingelt nicht, er schlägt. Auf einen imaginären Gong. Palim, Palim! – und schon weiß fast jeder, wer gemeint ist.

Doch genau hier beginnt das Missverständnis. Denn wer Dieter Hallervorden auf diesen einen Moment reduziert, auf die Slapstick-Nummer, auf das stolpernde Gesicht und die überzeichnete Naivität, verpasst den eigentlichen Menschen dahinter. Der Spaßmacher war immer nur die Oberfläche. Darunter arbeitete ein Kopf, der wacher war, als ihm viele zutrauten – und ein Charakter, der sich nie gern sagen ließ, wo es langzugehen hat. Dieses Porträt ist daher kein nostalgischer Rückblick auf Fernsehunterhaltung vergangener Jahrzehnte. Es ist der Versuch, einen Künstler ernst zu nehmen, der jahrzehntelang bewusst nicht ernst genommen werden wollte – und genau deshalb so wirkungsvoll war.

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Vicco von Bülow alias Loriot – Ordnung, Form und der leise Widerstand des Humors

Es gibt Künstler, die drücken ihre Meinung wie einen Stempel aufs Papier: sichtbar, unübersehbar, manchmal auch ein wenig billig. Und dann gibt es Vicco von Bülow – Loriot –, der das Gegenteil verkörpert: Haltung ohne Getöse. Er konnte, wenn er wollte, sehr deutlich werden. Aber er tat es nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit einer Präzision, die erst zum Lachen führt und dann – fast unmerklich – den Ernst nachliefert. Gerade in späteren Interviews zeigt sich das: Er redet nicht in Parolen, sondern in Nuancen. Zwischen den Zeilen steckt oft mehr Klartext, als man in mancher lauten Rede findet.

Und vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Porträt: Nicht bei den berühmten Sketchen, nicht bei den Zitaten, die jeder kennt, sondern bei der Frage, wie ein Mensch so wird, dass er die Welt gleichzeitig freundlich und unerbittlich genau betrachten kann.

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Jeffrey Sachs warnt Deutschland: Warum Europas Sicherheit neu gedacht werden muss

Jeffrey Sachs schreibt offenen Brief an Bundeskanzler Merz

Mit seinem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, veröffentlicht am 17.12.2025 in der Berliner Zeitung, meldet sich der bekannte Ökonom und Professor Jeffrey D. Sachs mit einer Deutlichkeit zu Wort, die in der aktuellen europäischen Debatte selten geworden ist. Sachs spricht dabei nicht als Aktivist, nicht als Parteigänger und nicht als Kommentator aus der Distanz, sondern als Ökonom und Politikberater, der über Jahrzehnte hinweg an zentralen Schnittstellen internationaler Krisen, Sicherheitsarchitekturen und wirtschaftlicher Umbrüche gearbeitet hat. Der offene Brief enthält ein ungewöhnlich scharfes Zitat:

„Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler.“

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Ulrike Guérot: Eine Europäerin zwischen Idee, Universität und öffentlichem Diskurs

Ulrike Guérot und Europa

Es gibt Menschen, deren Gedanken man nicht deshalb gerne verfolgt, weil man ihnen in allem zustimmt, sondern weil sie sich bemühen, die Dinge zu durchdringen. Ulrike Guérot gehört für mich zu diesen Stimmen. Seit einigen Jahren sehe ich mir immer wieder Vorträge von ihr an – nicht regelmäßig, nicht ritualisiert, sondern dann, wenn mir ein Thema begegnet, bei dem ich das Gefühl habe, dass es sich lohnt, genauer hinzuhören. Was dabei auffällt: Sie argumentiert ruhig, strukturiert und weitgehend unideologisch.

Das macht ihre Vorträge nicht spektakulär im medialen Sinn, aber tragfähig. Man kann ihr lange zuhören, ohne das Gefühl zu haben, dass hier ein fertiges Weltbild verkauft werden soll. Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten häufig moralisch aufgeladen oder emotional verkürzt werden, wirkt diese Art des Sprechens fast altmodisch. Im besten Sinne.

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