Digitale Abhängigkeit: Wie wir unsere Selbstbestimmung an die Cloud verloren haben

Ich habe es schon immer für einen Fehler gehalten, wenn Menschen ihre Daten aus der Hand geben – sei es in der Cloud, über Apps oder bei irgendwelchen „kostenlosen“ Diensten. Datenhoheit war für mich nie ein Modewort, sondern eine Frage der Selbstachtung. Wer Technik nutzt, ohne die Konsequenzen zu überdenken, begibt sich in eine Abhängigkeit, die oft erst Jahre später spürbar wird – aber dann umso tiefer greift.


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Trotz dieser Grundhaltung muss ich mir eingestehen, dass auch ich nicht ganz verschont geblieben bin. Es schleichen sich Dinge ein – unbemerkt, leise, komfortabel. In meinem Fall war es das Thema Bezahlen. Über Jahre hinweg habe ich fast ausschließlich mit Karte gezahlt, ganz automatisch, ohne groß darüber nachzudenken. Einfach, weil es eben „bequemer“ war.

Doch spätestens seit meinem Aufenthalt in Tschechien hat sich mein Blick wieder geschärft. Dort habe ich nicht nur wieder angefangen, regelmäßig Bargeld abzuheben, sondern auch ganz bewusst wieder mehr Bar zu zahlen. Und ich bin froh darüber – froh, dass ich dort mit Kronen bezahlen kann, einer klassischen Währung, ohne digitalen Euro, ohne Tracking, ohne Verknüpfung mit irgendwelchen Apps oder Bonussystemen.

Was mir dabei auffiel: Die Menschen dort zahlen noch deutlich häufiger bar als in Deutschland. Es wirkt irgendwie gesünder, natürlicher – fast so, als hätten sie noch nicht vergessen, dass Freiheit immer auch etwas mit Selbstbestimmung zu tun hat. Und diese fängt eben schon beim Bezahlen an. Dieser kleine Perspektivwechsel hat mich wachgerüttelt. Denn er zeigt exemplarisch, wie tief wir längst in digitalen Systemen verankert sind – oft, ohne es selbst zu merken. Es beginnt harmlos und endet oft in vollständiger Abhängigkeit.

Der stille Einzug: Wie Bequemlichkeit zur Falle wird

Es fängt harmlos an. Ein neues Smartphone, ein Assistent, der freundlich fragt, ob man die Fotos „zur Sicherheit“ in der Cloud speichern möchte. Natürlich – wer will schon Erinnerungen verlieren? Und überhaupt: Man hat ja nichts zu verbergen. Also klickt man auf „Ja“. Einmal. Dann wieder. Und plötzlich ist alles in der Cloud: Urlaubsfotos, Rechnungen, Passkopien, private Chats, manchmal ganze Tagebuchseiten.

Doch was als Hilfe beginnt, wird zur Gewohnheit – und Gewohnheit wird zur Struktur. Irgendwann sind die Daten nicht mehr auf dem eigenen Gerät, sondern irgendwo da draußen. Man weiß oft nicht einmal mehr, wo genau sie liegen. Man verlässt sich darauf, dass alles schon „sicher“ ist. Doch sicher ist nur eines: dass man selbst die Kontrolle Stück für Stück abgibt.

Bequemlichkeit hat einen Preis

Es ist ein merkwürdiger Tausch, den wir da vollziehen – Komfort gegen Kontrolle. Wir verzichten auf eigene Backups, auf lokale Kopien, auf Datenträger. Stattdessen lassen wir Konzerne für uns „mitdenken“. Automatische Synchronisierung. Zugriff von überall. Und wenn einmal etwas schiefgeht, hoffen wir, dass der Support uns helfen kann – sofern es ihn überhaupt noch gibt.

Diese Art der Bequemlichkeit ist trügerisch. Denn sie konditioniert uns auf Abhängigkeit. Sie verlernt uns, selbst zu speichern, selbst zu strukturieren, selbst zu sichern. Und sie gibt uns das Gefühl, nichts mehr entscheiden zu müssen. Dabei wäre gerade das Entscheiden eine der wichtigsten Kompetenzen in einer digitalen Welt.

Eigene Erfahrung: Ein Klick zu viel

Ich selbst habe diese Entwicklung über Jahre hinweg beobachtet – nicht nur bei anderen, sondern auch bei mir. Vor vielen Jahren, in den Anfangszeiten von Facebook, habe ich – wie so viele – ganz selbstverständlich Fotos hochgeladen. Auch Bilder meiner Kinder. Es war „normal“ damals. Die Plattform war neu, vieles wirkte harmlos. Doch irgendwann kamen Zweifel.

  • Wer hat Zugriff auf diese Bilder?
  • Wem gehören sie eigentlich?
  • Was passiert, wenn sich die Geschäftsbedingungen ändern?

Ich habe mir ein paar Jahre später die Mühe gemacht, alle Kinderbilder wieder zu löschen. Das war vor der großen Welle von Datenskandalen, noch bevor Facebook offen mit Daten handelte. Heute bin ich froh darüber. Denn rückblickend war es ein Weckruf. Ein kleiner Schritt, um mir selbst wieder etwas zurückzuholen, was ich leichtfertig hergegeben hatte: Verantwortung.

Unauffällig, aber unumkehrbar

Digitale Abhängigkeit schleicht sich nicht mit Gewalt in unser Leben – sie kommt durch die Hintertür. Sie tarnt sich als Vereinfachung, als Innovation, als Komfort. Und sie ist deswegen so gefährlich, weil sie in der Alltäglichkeit kaum auffällt. Niemand wird gezwungen, Fotos in die Cloud zu laden. Und doch tun es Millionen. Niemand wird gezwungen, Sprachassistenten zu nutzen – und doch stehen sie in tausenden Haushalten, immer lauschbereit.

Die Falle schnappt nicht zu, sie schließt sich langsam. Wer nicht bewusst gegensteuert, findet sich irgendwann in einem Netz wieder, das er selbst mitgewoben hat. Und dieses Netz ist selten neutral – es gehört jemandem, oft einem Konzern, dessen Interessen nicht identisch mit den unseren sind.


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Das unsichtbare Netz: Wo wir heute schon überall abhängig sind

Wenn man sich die heutige digitale Infrastruktur einmal nüchtern anschaut, erkennt man schnell: Wir leben in einem Netz, das wir selbst kaum noch überblicken. Und noch seltener hinterfragen. Fast jede Handlung – sei es das Schreiben eines Dokuments, das Öffnen eines Kalenders, das Versenden einer Nachricht – ist inzwischen gekoppelt an zentrale Dienste, die nicht uns gehören.

Nehmen wir Apple. Wer ein iPhone nutzt, kommt praktisch nicht mehr an der Apple-ID vorbei. Ohne sie funktioniert fast nichts: keine App-Installation, keine Sicherung, keine Synchronisation. Sobald man dann iCloud Drive aktiviert – oft mit einem harmlosen Häkchen bei der Einrichtung – beginnt die Verschiebung: Dateien, die vorher lokal auf dem Gerät lagen, wandern in die Cloud. Der Nutzer merkt es kaum. Erst wenn der Zugriff ausbleibt – etwa bei einem Problem mit der Apple-ID – wird bewusst, wie vollständig die Kontrolle inzwischen beim Anbieter liegt.

Auch bei Google ist es nicht anders. Ein Android-Smartphone ohne Google-Konto ist heute fast nicht mehr benutzbar. Gmail, Google Drive, Google Docs, Kalender, Kontakte, Notizen – alles ist an ein zentrales Konto gebunden. Wer dieses Konto verliert, verliert oft mehr als nur seine Mails. Es ist, als hätte man seine digitale Identität in eine Mietwohnung verlagert – und der Vermieter kann jederzeit kündigen.

Digitale Mietverhältnisse statt Eigentum

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Microsoft. Wer heute Office 365 nutzt, zahlt nicht mehr für eine Software, sondern für ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht. Ohne aktives Abonnement ist man ausgesperrt – selbst bei lokal installierten Programmen. Man mietet seine Schreibmaschine, sein Notizbuch, seinen Taschenrechner. Früher hätte man das für absurd gehalten. Heute ist es Standard.

Der eigentliche Wandel liegt darin, dass wir Software nicht mehr besitzen, sondern nur noch nutzen dürfen – solange wir zahlen. Und dieses Nutzungsrecht ist an Bedingungen geknüpft, die sich jederzeit ändern können. Wer kontrolliert, wann wir Zugriff haben, kontrolliert, was wir tun können. Diese Form der digitalen Abhängigkeit ist subtil – aber äußerst wirksam.

Ein persönlicher Gegenentwurf

Ich selbst habe diesen Wandel sehr bewusst beobachtet – und mich in einigen Bereichen dagegen entschieden. Gerade beim Thema E-Mail habe ich von Anfang an darauf geachtet, keine Cloud-Dienste zu nutzen. Schon seit den 1990er Jahren liefen meine Mails stets über eigene Domains, eigene Server, eigene Postfächer. Selbst früher, mit den einfachen 1&1-Paketen, war das problemlos möglich. Und es war für mich nie eine Frage des Komforts, sondern eine des Prinzips. Wenn ich schreibe, will ich wissen, wo meine Worte liegen. Wer sie lesen könnte. Und wer sie löschen könnte.

Ich weiß, dass das heute kaum noch jemand so macht. Viele junge Menschen wissen nicht einmal mehr, was ein Mailserver ist. Für sie beginnt und endet die digitale Kommunikation mit einem Google- oder Apple-Konto. Das ist bequem – aber auch gefährlich. Denn wer nicht mehr weiß, wo seine Daten liegen, weiß auch nicht, wem er sie überlassen hat.

Ein Netz ohne Notausgang

Das eigentlich Beunruhigende an all dem ist nicht, dass man Dienste nutzt – sondern dass es immer schwerer wird, sich ihnen zu entziehen. Selbst Betriebssysteme verlangen heute eine Cloud-Anbindung. Windows 11 lässt sich ohne Microsoft-Konto kaum noch vollständig installieren. macOS schiebt den Nutzer immer wieder zur iCloud zurück, sei es über die Fotos, die Schlüsselbund-Synchronisierung oder die Dokumentenverwaltung.

Es ist ein Netz, das in alle Richtungen wächst – unsichtbar, aber spürbar. Und es ist ein Netz, das keine echten Schlupflöcher mehr lässt. Wer aussteigen will, muss nicht nur auf Bequemlichkeit verzichten, sondern aktiv gegen das System arbeiten. Es braucht Wissen, Willen und manchmal auch Verzicht – aber vor allem braucht es Klarheit.

Unsichtbare Leine durch Abhängigkeit von Cloud-Systemen

Wenn der Anbieter entscheidet, was wir dürfen

Was einst als Dienst begann, wuchs oft genug zur Bedrohung. Plattformen, die uns das Leben einfacher machen sollten, sind an einem Punkt angelangt, an dem deren Regeln unsere Handlungsspielräume definieren. Wenn ein Anbieter entscheidet, wie Inhalte sichtbar werden, wer was verkaufen darf oder nach welchem Verfahren Umsätze ausgezahlt werden, dann ist das längst kein Service mehr — es ist Herrschaft in digitaler Form.

Meine Erfahrung mit eBay vor vielen Jahren ist dafür ein treffendes Beispiel. Einst lief alles simpel und nachvollziehbar: Artikel erschienen chronologisch, jeder hatte dieselben Chancen. Dann änderte sich die Logik. Aus einer überschaubaren Marktplatzmechanik wurde ein Algorithmus, der „Beliebtheit“ und andere Kriterien vorgab — Kriterien, die nicht mehr transparent waren und die sich jederzeit ändern konnten. Für ein kleines Gewerbe kann so eine Änderung existenziell werden. Wenn das Geschäftsmodell auf einer externen Plattform beruht, dann hängt plötzlich das ganze Geschäft an einer fremden Entscheidung. Das ist kein Versehen — das ist die Natur der digitalen Infrastruktur geworden.

Willkür und Unplanbarkeit

Die Willkür dieser Systeme ist nicht nur theoretisch. Als Entwickler spürst Du das besonders deutlich. Eine Apple‑Entwickler‑ID, deren Bedingungen sich im Monatsrhythmus ändern, bedeutet ständige Anpassung, Neuverhandlungen und Unsicherheit. Was gestern noch zulässig war, kann morgen eine Sperre nach sich ziehen. Nicht selten passieren diese Änderungen ohne echte Alternativen oder Übergangsfristen — akzeptieren oder ausgeschaltet werden.

Ähnlich schmerzhaft wirkt sich das auf Geschäftsbeziehungen aus: PayPal friert nach meiner Erfahrung beispielsweise Konten ein, wenn Umsätze „verdächtig“ steigen — ein Mechanismus, der zwar betrugspräventiv gedacht ist, aber in der Praxis oft Unternehmer trifft, die gerade erfolgreich sind. Geld, das plötzlich nicht verfügbar ist, kann eine Lieferkette zum Erliegen bringen, Löhne gefährden, Existenzen bedrohen. Die Plattform hat in solchen Momenten nicht nur eine technische oder vertragliche Funktion — sie hat faktisch die Macht zu verhindern, dass Geschäfte weiterlaufen.

Rechte in AGB und die Illusion der Wahl

Ein zentrales Problem ist die asymmetrische Rechtslage: Nutzungsbedingungen sind lang, juristisch formuliert und ändern sich regelmäßig. Kaum jemand liest die hundert Seiten, kaum jemand versteht die juristischen Fallstricke — und doch sind sie bindend. Die „Wahl“, die uns oft angeboten wird, ist eine Scheinwahl: Akzeptieren oder verzichten. In der Praxis heißt das häufig: wer die Reichweite, den Markt oder die Bequemlichkeit haben will, akzeptiert die Bedingungen — und damit den Machtanspruch des Anbieters.

Bei Plattformen wie Facebook oder Instagram ist das besonders spürbar. Was Du hochlädst, gehört rechtlich gesehen zwar weiterhin Dir — formal. Praktisch aber liegt der Zugriff bei der Plattform, die Inhalte profilbasiert monetarisieren, sperren oder für Werbezwecke verwenden kann. Das führt zu einer Situation, in der persönliche Inhalte, Geschäftsunterlagen oder Kundendaten in ein Umfeld gelangen, in dem der ursprüngliche Eigentümer nur noch eingeschränkte Verfügungsgewalt hat.

Die Lehre daraus

Das ist kein Pessimismus um des Pessimismus’ willen. Es ist eine nüchterne Feststellung: Plattformabhängigkeit ist ein Geschäftsrisiko und ein Freiheitsproblem zugleich. Wer sein Geschäft, seine Kommunikation oder sein soziales Leben vollständig über Dritte abwickelt, gibt nicht nur Komfort, sondern auch Entscheidungsfreiheit ab.

Die einzige sinnvolle Reaktion ist zweigleisig. Einerseits brauchen wir Bewusstsein: verstehen, wo die Abhängigkeiten liegen und welche Folgen sie haben können. Andererseits brauchen wir Gestaltung: Diversifikation der Kanäle, eigene Infrastrukturen dort, wo es kritisch ist, und Verträge, die echte Ausstiegsmöglichkeiten lassen. Das heißt nicht, alle Dienste zu verbannen — sondern klug zu entscheiden, welche in die tiefe Kernzone unseres Lebens gehören dürfen und welche nicht.

Technischer Fortschritt – oder digitale Entmündigung?

Seit jeher wird technischer Fortschritt mit Versprechen verknüpft: mehr Komfort, mehr Möglichkeiten, mehr Freiheit. Und lange Zeit stimmte das auch. Die ersten Computer gaben uns Werkzeuge an die Hand, mit denen wir erstmals selbst gestalten konnten. Die frühen Mobiltelefone gaben uns Mobilität. Das Internet eröffnete Wissen, Kommunikation und Handel auf neue Weise – dezentral, offen, frei.

Doch heute erleben wir eine paradoxe Entwicklung: Je mehr Technik wir nutzen, desto weniger scheinen wir darüber zu verfügen. Der Fortschritt ist nicht mehr unbedingt ein Weg in die Freiheit – sondern wird zunehmend zur Einbahnstraße in Richtung Kontrolle. Und das geschieht nicht durch Zwang, sondern durch ein Versprechen, das sich langsam ins Gegenteil verkehrt.

Wenn neue Funktionen alte Freiheiten ersetzen

Viele sogenannte Fortschritte lösen keine echten Probleme – sie schaffen neue Abhängigkeiten. Die automatische Synchronisation aller Geräte zum Beispiel klingt praktisch. Doch sie sorgt auch dafür, dass kein Gerät mehr „für sich“ funktioniert. Ohne Netzwerkverbindung geht oft gar nichts mehr. Und wer einmal ein Gerät neu aufsetzen möchte, merkt schnell: Ohne den Zugang zur Cloud, zum Konto, zum Online-Dienst bleibt der Startbildschirm dunkel.

Auch die Zwangsanbindung an App-Stores ist ein Beispiel für diese neue Abhängigkeit. Was als Sicherheitsvorteil verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein Lizenzsystem – ein Tor, das nur mit Genehmigung passiert werden darf. Geräte, die wir teuer bezahlen, gehören uns oft nur formal. Funktional stehen sie unter der Kontrolle von Konzernen, die jederzeit Apps sperren, entfernen oder umkonfigurieren können – und das mit einem einzigen Update.

Der Verlust des Offlinemodus

Früher war „offline“ der Normalzustand – heute ist es ein Ausnahmefall, den viele Systeme gar nicht mehr zulassen. Office-Programme starten nicht ohne Internet. Musik lässt sich ohne Cloud-Zugriff nicht mehr einfach hören, Bücher nicht mehr dauerhaft speichern, Fotos nicht mehr lokal sichern. Selbst Navigationssysteme funktionieren zunehmend nur mit aktiver Verbindung. Die Idee, dass ein Gerät vollständig eigenständig funktioniert, wird langsam zum Anachronismus. Das hat tiefgreifende Konsequenzen. Wer sich in entlegene Regionen begibt, auf Reisen ist oder schlicht keinen Empfang hat, ist plötzlich „abgeschnitten“ – nicht weil die Technik fehlt, sondern weil sie sich verweigert, wenn sie nicht ans Netz angebunden ist. Das Gerät ist da – aber es gehorcht nicht. Und das sollte uns zu denken geben.

Die Suggestion der Alternativlosigkeit

Einer der gefährlichsten Aspekte dieses Pseudofortschritts ist seine Rhetorik. Denn er tritt selten offen auf. Vielmehr wird ein Bild gezeichnet, in dem jedes Zurück als Rückschritt gilt. Wer nicht mitzieht, wird als altmodisch oder technikfeindlich abgestempelt. Dabei geht es oft gar nicht um Technikfeindlichkeit – sondern um den Wunsch nach Kontrolle, nach Besitz, nach Unabhängigkeit.

Die Wahl zwischen online und offline, zwischen Cloud und lokal, zwischen Abo und Kauf – all das wird zunehmend zur Illusion. Die Systeme sind so gebaut, dass es nur einen Weg gibt: den Weg durch das Portal, das der Anbieter kontrolliert. Das ist keine technische Notwendigkeit. Es ist eine Geschäftsstrategie – und eine stille Form der Entmündigung.

Was wirklich Fortschritt wäre

Echter Fortschritt ist das Gegenteil von Abhängigkeit. Fortschritt bedeutet, mehr selbst entscheiden zu können – nicht weniger. Es bedeutet, Alternativen zu haben, nicht Monopole. Und es bedeutet vor allem, zu verstehen, was unter der Haube passiert – und nicht blind zu vertrauen.
Wenn Technik uns erklärt, dass wir nichts mehr verstehen müssen, dann ist das kein Dienst, sondern eine Einladung zur Bequemlichkeit. Und Bequemlichkeit war nie ein guter Lehrmeister für Mündigkeit.

Claris FileMaker für umfangreiche Datensysteme ohne Cloud

Ein oft übersehener Ausweg aus der digitalen Abhängigkeit liegt in der Wahl der richtigen Werkzeuge – insbesondere bei der Unternehmenssoftware. Claris FileMaker ist ein solches Werkzeug: ein datenbankbasiertes System, das es ermöglicht, eine eigene Cloud im besten Sinne des Wortes zu betreiben – lokal, auf dem eigenen Server oder auf einem selbstgewählten Hosting-Anbieter. Der Unterschied zu klassischen Cloud-Diensten besteht darin, dass der Nutzer selbst Eigentümer der Datenstruktur bleibt. Keine automatischen Backups in fremde Rechenzentren, keine externen Lizenzen, die ohne Vorwarnung entzogen werden können, keine zwangsweise Synchronisation mit zentralen Accounts. Filemaker unterstützt auch das Apple MLX Framework, das die Ausführung lokaler KI-Systeme mit FileMaker unterstützt. Wer mit FileMaker arbeitet, arbeitet in seinem eigenen digitalen Haus – mit eigenem Schlüssel.

Aus genau diesem Grund basiert auch meine gFM-Business ERP-Software vollständig auf FileMaker. Die Entscheidung war bewusst: Ich wollte eine Lösung schaffen, bei der Unternehmen ihre sensiblen Geschäftsprozesse nicht in fremde Hände legen müssen. Zwar lässt sich gFM-Business theoretisch auch in der FileMaker Cloud oder auf Amazon AWS betreiben – aber das ist optional. Wer es ernst meint mit digitaler Souveränität, installiert die Lösung auf einem eigenen Mac, PC oder dedizierten Server. Damit bleibt die volle Kontrolle erhalten – über Daten, Zugriff, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit. Genau das ist für mich moderne IT im besten Sinne: dezentral, eigenverantwortlich, frei. Alle künftigen KI-Funktionen der gFM-Business ERP-Software werden auch lokal unterstützt.


Infovideo von gofilemaker.de zu Vor- und Nachteilen von Cloudsystemen

Wege aus der Falle: Wie man digitale Souveränität zurückgewinnt

Der Weg zurück in die Selbstbestimmung beginnt nicht mit Technik – sondern mit Haltung. Wer erkennt, dass viele moderne Systeme nicht zur Entlastung, sondern zur Entmündigung beitragen, hat bereits den wichtigsten Schritt getan: Er hat begonnen, wieder selbst zu denken. Denn letztlich geht es nicht um Technikfeindlichkeit oder Fortschrittsverweigerung, sondern um die Rückeroberung von Entscheidungsfreiheit.

Es braucht keine Komplettabkehr von allem Digitalen – aber sehr wohl ein neues Bewusstsein: Was gehört in die Cloud, und was nicht? Was kann automatisiert werden – und was sollte ich lieber selbst steuern? Diese Fragen zu stellen ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von digitaler Reife.

Lokal statt zentral: Souveränität beginnt beim Speicherort

Einer der pragmatischsten Schritte ist, sich die eigenen Daten wieder zurückzuholen. Fotos, Dokumente, Backups – all das lässt sich auch lokal organisieren. Eine einfache NAS-Festplatte im Heimnetzwerk ersetzt für viele Anwendungsfälle die Cloud – ohne Abo, ohne Datenabfluss, ohne Drittzugriff. E-Mails können – wie ich es seit den 1990er Jahren selbst tue – über eigene Server und Domains verwaltet werden. Wer will, findet Wege. Und wer keine Wege sucht, bleibt bequem – und damit manipulierbar.

Ebenso lässt sich die Nutzung von Cloud-basierten Office-Lösungen hinterfragen. Open-Source-Alternativen wie LibreOffice oder OnlyOffice bieten längst solide Arbeitsumgebungen ohne Lizenzzwang. Auch Notizen, Kalender und Passwortmanager gibt es in lokalen Varianten – mit einmaligem Aufwand, aber dauerhaftem Gewinn: Unabhängigkeit.

Und jetzt auch bei KI: Lokal ist Trumpf

Diese Überlegungen gelten heute mehr denn je – vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Viele glauben, man sei auf große Plattformen angewiesen, um mit KI sinnvoll arbeiten zu können. Doch genau hier zeigt sich erneut die alte Mechanik: Zuerst wird man „angelernt“, dann abhängig gemacht. Anbieter wie OpenAI oder Google bieten beeindruckende Werkzeuge – aber sie laufen ausschließlich über zentrale Server, bei denen Kontrolle, Kosten und Zugriff jederzeit verändert werden können.

Deshalb verfolge ich in meiner ERP-Software gFM-Business ganz bewusst einen anderen Weg. Künftig wird die Lösung auch lokale KI-Systeme unterstützen, die auf dem eigenen Rechner oder Server laufen – ohne Internetverbindung, ohne Fremdzugriff, ohne laufende Gebühren. Damit bleibt nicht nur die Datensouveränität beim Anwender, sondern auch die Integrität der Arbeitsprozesse.

Erfreulicherweise geht hier – ausnahmsweise – auch Apple in die richtige Richtung. Mit dem neuen MLX-Framework für Apple Silicon wird es möglich, leistungsstarke KI-Modelle lokal und geräteübergreifend einzusetzen. Das ist ein bedeutender Schritt, der zeigt, dass Technik und Souveränität sich nicht ausschließen müssen – wenn man es will.

Zusammenfassung: Reifer Umgang statt naiver Nutzung

Wir leben in einer Zeit, in der der digitale Fortschritt vieles einfacher macht – aber auch vieles unmerklich aus der Hand nimmt. Bequemlichkeit ist kein Teufelswerk, aber sie wird gefährlich, wenn sie zur Gewohnheit wird. Wer seine Daten, seine Software, seine Kommunikation und jetzt auch seine KI-Prozesse vollständig in fremde Hände legt, begibt sich in eine Form moderner Abhängigkeit, die schwer wieder rückgängig zu machen ist.

Doch es gibt Alternativen. Wer bewusst auswählt, was er nutzt und was nicht, wer bereit ist, sich wieder mit Technik auseinanderzusetzen, statt alles auszulagern, der bleibt handlungsfähig – und das ist heute mehr wert denn je.

Digitale Mündigkeit beginnt nicht mit einem neuen Gerät – sondern mit einer alten Tugend: Verantwortung.


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Häufig gestellte Fragen (FAQ): Digitale Abhängigkeiten & Datenhoheit

  1. Warum sind digitale Abhängigkeiten überhaupt ein Problem?
    Digitale Abhängigkeiten wirken zunächst harmlos – oft sogar hilfreich. Doch wer immer mehr zentrale Dienste nutzt, verliert zunehmend die Kontrolle über seine Daten, Arbeitsprozesse und letztlich sogar über sein digitales Selbst. Die Gefahr liegt nicht im Einzelfall, sondern im schleichenden Prozess: Was heute bequem erscheint, kann morgen zur Falle werden – etwa wenn Zugänge gesperrt, Bedingungen geändert oder Dienste eingestellt werden.
  2. Was ist der Unterschied zwischen technischer Bequemlichkeit und Abhängigkeit?
    Bequemlichkeit ist zunächst nichts Schlechtes. Doch sobald ein System nicht mehr funktioniert, wenn ein Anbieter ausfällt oder eine Verbindung nicht verfügbar ist, spricht man von Abhängigkeit. Der Nutzer wird dann nicht mehr unterstützt, sondern vom System geführt – oder blockiert, je nach Entscheidung des Anbieters.
  3. Woran merke ich, dass ich schon abhängig bin?
    Wenn Du auf Dienste wie Google, Apple oder Microsoft nicht mehr verzichten kannst, ohne erhebliche Datenverluste oder Einschränkungen zu erleiden – dann bist Du bereits abhängig. Auch wenn Deine Fotos, Notizen, Kontakte, Mails und Kalender nicht mehr lokal, sondern nur noch in der Cloud liegen, solltest Du innehalten.
  4. Ist Cloud-Nutzung grundsätzlich schlecht?
    Nein, nicht zwangsläufig. Aber sie ist problematisch, wenn sie alternativlos wird. Eine bewusste Nutzung kann sinnvoll sein – etwa als Zusatzsicherung. Kritisch wird es, wenn man Daten nur noch dort speichert, ohne lokale Kopien oder eigene Zugriffsrechte.
  5. Welche Gefahren bestehen bei Cloud-Accounts wie Apple-ID, Google-Konto oder Microsoft 365?
    Diese Accounts bündeln sehr viele Informationen und Zugänge. Der Verlust oder die Sperrung eines solchen Kontos kann dazu führen, dass Du plötzlich keinen Zugriff mehr auf Deine Geräte, Mails, Dateien oder Projekte hast. In vielen Fällen bleibt der Nutzer dann machtlos, selbst wenn er zahlender Kunde ist.
  6. Wie kann ich meine E-Mails ohne Cloud verwalten?
    Du kannst eigene Domains und Mailserver nutzen – viele Hoster bieten das an. Seit den 1990er Jahren ist es technisch problemlos möglich, Mail-Kommunikation selbstbestimmt zu organisieren, ohne Google, Apple oder Microsoft. Das bedeutet etwas mehr Einrichtung, aber dafür vollständige Kontrolle.
  7. Ist die Nutzung von Plattformen wie eBay, PayPal oder Facebook gefährlich?
    Nicht per se – aber sie sind keine neutralen Marktplätze. Sobald Algorithmen oder Geschäftsbedingungen verändert werden, kann das Geschäftsmodelle oder persönliche Abläufe erheblich stören. Die Geschichte zeigt, dass Plattformen immer wieder Regeln geändert haben – und Nutzer oft darunter litten, ohne Mitspracherecht.
  8. Warum werden Updates und neue Features kritisch gesehen?
    Weil sie heute oft nicht nur Verbesserungen bringen, sondern auch Kontrollmechanismen enthalten. Neue Versionen können Funktionen entfernen, Nutzungsbedingungen verschärfen oder eine Cloud-Anbindung erzwingen. Viele Systeme funktionieren nur noch mit aktiver Internetverbindung – ein echter Rückschritt in Sachen Unabhängigkeit.
  9. Was bedeutet „digitale Entmündigung“?
    Digitale Entmündigung beschreibt den Zustand, in dem der Nutzer nicht mehr selbst bestimmt, wie Technik funktioniert, sondern sich fremden Regeln beugen muss. Das passiert meist unbemerkt – durch Apps, Accounts, Updates oder Algorithmen, die die Hoheit über unsere Geräte und Daten übernehmen.
  10. Gibt es heute noch Alternativen zu Cloud und Abo-Systemen?
    Ja. Viele Open-Source-Projekte und lokale Lösungen bieten genau das: Datenhoheit, einmalige Anschaffungskosten und Offline-Nutzung. Ob LibreOffice, eine NAS-Festplatte, lokale Kalender oder Passwort-Manager – Alternativen existieren, wenn man sie aktiv sucht.
  11. Was bedeutet es konkret, „digitale Souveränität“ zurückzugewinnen?
    Digitale Souveränität heißt, wieder selbst zu entscheiden, wo Daten gespeichert, verarbeitet und gesichert werden. Es bedeutet, Systeme zu wählen, bei denen der Nutzer die Hoheit über Zugriff, Sicherung, Weitergabe und Nutzung behält. Es geht um Klarheit, Kontrolle – und manchmal auch um Verzicht.
  12. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in diesem Kontext?
    Auch bei KI wird deutlich, wie stark die Abhängigkeit wächst. Viele Dienste laufen nur über zentrale Server (z. B. ChatGPT, Google Gemini, Copilot). Wer hier eigene Daten eingibt, gibt auch ein Stück Kontrolle ab. Deshalb wird lokale KI zunehmend wichtiger, um sensible Inhalte unter eigener Kontrolle zu halten.
  13. Gibt es sinnvolle Ansätze für lokale KI-Lösungen?
    Ja. Lokale KI kann auf dem eigenen Rechner betrieben werden – z. B. über Systeme wie Ollama oder MLX auf Apple-Geräten. Markus Schall verfolgt diesen Ansatz aktiv in seiner ERP-Software GFM Business, um dort künftig auch lokale KI-Systeme zu integrieren – ohne Cloud, ohne Lizenzbindung, ohne Datenabfluss.
  14. Welche Rolle spielt Apple bei lokaler KI?
    Apple ist derzeit einer der wenigen Anbieter, die lokale KI ernsthaft vorantreiben. Mit dem MLX-Framework können moderne Apple-Rechner leistungsfähige Modelle direkt ausführen – ohne Cloud-Anbindung, offline und unter Nutzerkontrolle. Ein seltener Lichtblick in einem sonst zentralisierten Markt.
  15. Ist der Rückzug aus der Cloud realistisch machbar?
    Ja – aber nicht über Nacht. Es braucht Planung, Umstellung und manchmal auch neue Gewohnheiten. Doch jeder Schritt zählt. Man muss nicht 100 % offline leben, aber sollte sehr genau wissen, welche 30 % besonders schützenswert sind. Und genau da fängt Mündigkeit an.
  16. Was ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Artikel?
    Technischer Fortschritt ist nur dann wertvoll, wenn er nicht zur Abhängigkeit führt. Wer Verantwortung für seine digitale Infrastruktur übernimmt, wird nicht nur unabhängiger – sondern auch handlungsfähiger. Die Zukunft gehört nicht den Lautesten oder den Schnellsten, sondern denen, die ihre Werkzeuge verstehen und beherrschen.

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