Vom Ende der Wehrpflicht bis zu Schulstreiks: Die neue Debatte über Bundeswehr und Bildung

Schulstreiks zu Wehrpflicht und Bundeswehr in der Schule

Als ich in den 90er Jahren selbst zur Bundeswehr eingezogen wurde, war das noch ein ziemlich normaler Teil des Lebenswegs vieler junger Männer in Deutschland. Wer die Schule beendet hatte, machte entweder Zivildienst oder Wehrdienst. Das gehörte damals einfach dazu – ähnlich wie eine Ausbildung oder das Studium. Man sprach darüber, man wusste ungefähr, was einen erwartete, und irgendwo hatte fast jeder im Bekanntenkreis jemanden, der gerade beim Bund war oder es kurz zuvor gewesen war.

Ich selbst habe meinen Wehrdienst ebenfalls abgeleistet. Große ideologische Debatten gab es in meinem Umfeld darüber nicht. Natürlich gab es Kritik am Militär oder auch Diskussionen über Auslandseinsätze – aber die Bundeswehr war grundsätzlich ein normaler Bestandteil des Staates. Sie war vorhanden, aber sie spielte im Alltag der meisten Menschen keine besonders dominante Rolle. Interessanterweise galt das auch für die Schule.

Weiterlesen

Als ich mit einem Roboter telefonierte – wie KI das Telefon erobert und wie man sie erkennt

Telefongespräch mit einem KI-Roboter

Es gibt Momente im Alltag, die zunächst vollkommen banal wirken. Man sitzt am Schreibtisch, arbeitet an einem Artikel, denkt über ein neues Thema nach – und plötzlich klingelt das Telefon. Eine Nummer, die man nicht kennt. In meinem Fall war es eine Vorwahl aus dem Ruhrgebiet: 0233 irgendwas. Solche Anrufe bekommt man als Selbstständiger gelegentlich. Meistens geht es um Werbung, irgendwelche Dienstleistungen oder Beratungen, die man eigentlich gar nicht braucht.

Also nahm ich den Anruf zunächst völlig normal entgegen. Am anderen Ende meldete sich eine freundliche Frauenstimme. Sie stellte sich als Mitarbeiterin vor, die im Zusammenhang mit Facebook und Instagram arbeite. Es ging – wenig überraschend – um Werbung. Um Anzeigen. Um Reichweite. Um Sichtbarkeit für Unternehmen.

Weiterlesen

Europa zwischen Meinungsfreiheit und Regulierung: Neues US-Infoportal wirft Fragen auf

EU-Zensur, Hatespeech und das neue US-Portal

Neulich bin ich über eine Information gestolpert, die mich zunächst eher beiläufig interessiert hat – und dann doch nicht mehr losließ. In einem Bericht war davon die Rede, dass die US-Regierung ein neues Online-Portal plane. Ein Portal, das Inhalte zugänglich machen soll, die in bestimmten Regionen der Welt gesperrt sind. Genannt wurden Länder wie Iran oder China. Doch dann fiel ein weiterer Begriff: Europa.

Europa.

Der Gedanke, dass amerikanische Stellen ein Informationsportal entwickeln, das ausdrücklich auch für europäische Bürger gedacht sein soll, weil bestimmte Inhalte hier nicht mehr erreichbar sind, hat mich stutzig gemacht. Nicht empört oder panisch, aber hellhörig. Wenn Europa plötzlich in einem Atemzug mit klassischen Zensurräumen genannt wird, dann lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Weiterlesen

Johann Sebastian Bach – Ordnung, Haltung und das Fundament unserer Musik

Johann Sebastian Bach Portrait

Als Kind und Jugendlicher bin ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Beide Eltern sind Musiklehrer. Meine Mutter spielt Querflöte, mein Vater Klavier. Musik war bei uns zu Hause kein dekorativer Hintergrund, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Es wurde geübt, unterrichtet, diskutiert, manchmal auch gerungen. Noten lagen aufgeschlagen auf dem Flügel, nicht im Schrank.

Ich selbst habe Klavier gespielt, später auch Saxophon. Und wie so viele, die eine klassische Ausbildung durchlaufen, bin ich irgendwann bei Johann Sebastian Bach gelandet – genauer gesagt beim ersten Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Ich kann es noch spielen. Vielleicht nicht mehr makellos, ich müsste wieder üben. Aber die Struktur dieses Stückes ist mir bis heute präsent. Diese ruhige Folge gebrochener Akkorde, die klare Harmonie, die selbstverständliche Ordnung – schon als Schüler spürt man, dass hier etwas Tragendes geschieht. Dieses Portrait ist meiner Mutter zu ihrem 70. Geburtstag gewidmet, die mir den Klavierunterricht zu jener Zeit ermöglichte.

Weiterlesen

Cancel Culture im Westen: Sport, Universitäten, Militär und EU-Sanktionen analysiert

Cancel Culture im Westen

Wenn man heute das Wort „Cancel Culture“ hört, denkt man schnell an Universitäten, soziale Netzwerke oder an prominente Einzelpersonen, die wegen einer unbedachten Äußerung unter Druck geraten. Ursprünglich war das Phänomen tatsächlich stark im kulturellen und akademischen Raum verortet. Es ging um Boykotte, um Proteste, um symbolische Distanzierungen. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verschoben. Die Dynamik ist gewachsen, sie ist ernster geworden – und vor allem: Sie ist politischer geworden.

Heute beobachten wir nicht nur einzelne Debatten um Vorträge oder Twitter-Posts. Wir sehen Sportler, die nicht starten dürfen. Künstler, deren Programme gestrichen werden. Professoren, die unter massiven Druck geraten. Militärs, deren Aussagen binnen Stunden internationale Wellen schlagen. Staaten, die Listen führen. Einreiseverbote. Sanktionen, die nicht nur Institutionen, sondern konkrete Personen treffen.

Das ist mehr als ein kulturelles Randphänomen. Es ist ein politischer Mechanismus geworden.

Weiterlesen

Energie, Macht und Abhängigkeit: Europas Weg vom Exportweltmeister zum Nachfrager

Europa und Energie

Wenn Du heute durch Deutschland blickst, dann fällt eines auf: Die Energiesituation ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren. Und zwar grundlegend. Vor zwei Jahrzehnten galt Deutschland als Inbegriff industrieller Stabilität. Verlässliche Stromversorgung, kalkulierbare Gaspreise, robuste Netzinfrastruktur. Energie war kein politisches Dauerthema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Sie war da. Sie funktionierte. Sie war bezahlbar. Sie war – und das ist entscheidend – planbar.

Heute hingegen ist Energie in Europa, insbesondere in Deutschland, zum strategischen Unsicherheitsfaktor geworden. Preise schwanken, Industrie verlagert Investitionen, politische Debatten drehen sich um Subventionen, Notfallreserven und Abhängigkeiten. Energie ist nicht mehr nur Infrastruktur – sie ist Machtfaktor, Verhandlungsspielraum und geopolitischer Hebel.

In diesem Artikel wollen wir diese Entwicklung in Ruhe nachzeichnen. Nicht alarmistisch oder verschwörerisch, sondern Schritt für Schritt. Was hat sich verändert? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Wer profitiert? Und vor allem: Wie konnte ein energiepolitisch souveräner Kontinent in eine Lage geraten, in der er seine elementarste Grundlage – die Energieversorgung – kaum noch eigenständig kontrolliert?

Weiterlesen

Wie Tiere Zeit wahrnehmen – und was das für die Zukunft der KI bedeutet

Tiere, KI und Zeitwahrnehmung

Eine Katze liegt auf dem Teppich. Sie bewegt sich nicht. Sie blinzelt vielleicht kurz, dreht ein Ohr, seufzt innerlich über die Zumutungen des Daseins – und sonst passiert: nichts. Der Mensch schaut darauf und denkt: „Typisch. Faules Vieh“. Aber was, wenn genau das Gegenteil richtig ist? Was, wenn die Katze nicht zu langsam ist – sondern wir? Dieser Artikel ist entstanden, nachdem ich zu diesem Thema ein Video von Gerd Ganteför geschaut hatte und es so interessant fand, dass ich es gerne hier vorstellen möchte.

Seit Jahrhunderten beobachten Menschen Tiere und kommen immer wieder zu denselben falschen Schlüssen. Wir interpretieren ihr Verhalten mit unserem Tempo, unserer Wahrnehmung, unserer inneren Uhr. Und diese Uhr ist, nüchtern betrachtet, eher ein gemütlicher Wandkalender als ein Hochgeschwindigkeitsprozessor. Vielleicht wirkt die Katze nur deshalb so desinteressiert, weil sich ihre Umwelt für sie ungefähr so dynamisch anfühlt wie eine Behördenwarteschlange am Freitagnachmittag.

Weiterlesen

Russland, NATO und die Angst vor dem Krieg: Was sich belegen lässt – und was nicht

NATO, Russland und die Angst vor einem Krieg

Dieser Artikel ist nicht aus einem aktuellen Impuls heraus entstanden, nicht aus Empörung oder aus Parteinahme. Er ist vielmehr das Ergebnis einer längeren Beobachtung – und eines wachsenden Unbehagens. Ich habe mich mit Russland nicht erst seit dem Ukrainekrieg beschäftigt. Das Interesse reicht weiter zurück. Schon in der Schulzeit hatte ich Russisch als Fremdsprache, habe mich damals – ganz unaufgeregt – mit Sprache, Geschichte und Mentalität beschäftigt. Dieses frühe Interesse hat dazu geführt, dass ich Entwicklungen dort über Jahre hinweg verfolgt habe, ohne ständig den Blickwinkel zu wechseln.

Gerade deshalb erschreckt mich heute, wie grob, wie vereinfachend und wie selbstsicher viele Bilder über Russland und seine angeblichen Ziele in den öffentlichen Raum gestellt werden – oft ohne Quellen, ohne Kontext, manchmal sogar ohne jede innere Logik. Besonders irritierend wird es dann, wenn solche Narrative nicht nur in Talkshows oder Kommentarspalten auftauchen, sondern von Journalisten, Politikern oder anderen offiziellen Stimmen nahezu unreflektiert übernommen werden. An einem Punkt stellt man sich dann zwangsläufig die Frage:

Stimmt das eigentlich so?

Weiterlesen