Iran verstehen: Alltag, Proteste und Interessen jenseits der Schlagzeilen

Iran verstehen

Kaum ein Land ruft so feste Bilder hervor wie der Iran. Noch bevor ein einzelnes Detail genannt wird, sind die Assoziationen bereits da: Mullahs, Unterdrückung, Proteste, religiöser Fanatismus, ein Staat im permanenten Konflikt mit der eigenen Bevölkerung. Diese Bilder sind so vertraut, dass sie kaum noch hinterfragt werden. Sie wirken selbstverständlich, fast wie Allgemeinwissen.

Und genau darin liegt das Problem. Denn dieses „Wissen“ stammt selten aus eigener Anschauung. Es stammt aus Schlagzeilen, aus Kommentaren, aus jahrelang wiederholten Erzählungen. Der Iran ist eines jener Länder, über die viele Menschen sehr klare Meinungen haben – obwohl sie nie dort waren, keine Sprache sprechen, keinen Alltag kennen. Das Bild ist vollständig, geschlossen, scheinbar widerspruchsfrei. Und gerade deshalb wirkt es so überzeugend. Doch was passiert, wenn ein Bild zu glatt wird?

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Dieter Hallervorden – Mehr als Didi: Porträt eines unbequemen Freigeists

Dieter Hallervorden und die Wühlmäuse in Berlin

Es gibt Figuren, die kleben einem Menschen ein Leben lang an den Fersen. Manche wie ein schlecht sitzender Anzug, andere wie ein alter Freund, der ungefragt immer wieder vorbeikommt. Bei Dieter Hallervorden heißt dieser Freund „Didi“. Und er klingelt nicht, er schlägt. Auf einen imaginären Gong. Palim, Palim! – und schon weiß fast jeder, wer gemeint ist.

Doch genau hier beginnt das Missverständnis. Denn wer Dieter Hallervorden auf diesen einen Moment reduziert, auf die Slapstick-Nummer, auf das stolpernde Gesicht und die überzeichnete Naivität, verpasst den eigentlichen Menschen dahinter. Der Spaßmacher war immer nur die Oberfläche. Darunter arbeitete ein Kopf, der wacher war, als ihm viele zutrauten – und ein Charakter, der sich nie gern sagen ließ, wo es langzugehen hat. Dieses Porträt ist daher kein nostalgischer Rückblick auf Fernsehunterhaltung vergangener Jahrzehnte. Es ist der Versuch, einen Künstler ernst zu nehmen, der jahrzehntelang bewusst nicht ernst genommen werden wollte – und genau deshalb so wirkungsvoll war.

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Grönland, Trump und die Frage der Zugehörigkeit: Geschichte, Recht und Realität

Grönland im Fadenkreuz: USA und Trump

Es gibt Themen, mit denen man sich nicht aktiv beschäftigt, sondern die sich irgendwann schlicht aufdrängen. Grönland gehört für viele – auch für mich – lange Zeit genau in diese Kategorie. Eine große, abgelegene Insel im hohen Norden, wenig Bevölkerung, viel Eis, viel Natur. Kein klassisches Alltagsthema, kein politischer Dauerbrenner. Das hat sich in den letzten Monaten spürbar geändert.

Durch die zunehmenden Berichte, Kommentare und Schlagzeilen rund um Grönland – und vor allem durch die wiederholten Aussagen von Donald Trump – rückt diese Insel plötzlich in den Mittelpunkt einer internationalen Debatte. Wenn ein ehemaliger und möglicherweise künftiger US-Präsident öffentlich darüber spricht, ein Gebiet „kaufen“, „übernehmen“ oder unter Kontrolle bringen zu wollen, dann weckt das zwangsläufig Aufmerksamkeit. Nicht, weil man solche Aussagen sofort ernst nehmen müsste – sondern weil sie Fragen aufwerfen, die man nicht ignorieren sollte.

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Propaganda: Geschichte, Methoden, moderne Formen und wie man sie erkennt

Was ist Propaganda?

Für viele – und so ging es mir lange selbst – war Propaganda etwas, das man aus dem Geschichtsunterricht kennt. Ein Thema, das fest verortet schien: im Dritten Reich, vielleicht noch in der DDR, also in klar abgegrenzten, autoritären Systemen. Uns wurde vermittelt, dass Propaganda dort existierte, weil diese Systeme sie brauchten – und dass sie in einer offenen, demokratischen Gesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland eigentlich keine Rolle spiele.

Diese Sichtweise war bequem. Und sie war lange plausibel. Denn Propaganda wurde fast immer als etwas Offensichtliches gezeigt: als Parole, als Plakat, als martialische Bildsprache. Etwas, das man erkennt, sobald man es sieht – und von dem man sich innerlich distanzieren kann. Heute wirkt diese Gewissheit brüchig. Nicht, weil sich Menschen plötzlich verändert hätten, sondern weil sich die Form der Beeinflussung verändert hat. Und genau deshalb lohnt es sich, ganz ruhig und ohne Aufgeregtheit zu klären, was Propaganda eigentlich ist – und was nicht.

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Vicco von Bülow alias Loriot – Ordnung, Form und der leise Widerstand des Humors

Es gibt Künstler, die drücken ihre Meinung wie einen Stempel aufs Papier: sichtbar, unübersehbar, manchmal auch ein wenig billig. Und dann gibt es Vicco von Bülow – Loriot –, der das Gegenteil verkörpert: Haltung ohne Getöse. Er konnte, wenn er wollte, sehr deutlich werden. Aber er tat es nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit einer Präzision, die erst zum Lachen führt und dann – fast unmerklich – den Ernst nachliefert. Gerade in späteren Interviews zeigt sich das: Er redet nicht in Parolen, sondern in Nuancen. Zwischen den Zeilen steckt oft mehr Klartext, als man in mancher lauten Rede findet.

Und vielleicht beginnt genau hier das eigentliche Porträt: Nicht bei den berühmten Sketchen, nicht bei den Zitaten, die jeder kennt, sondern bei der Frage, wie ein Mensch so wird, dass er die Welt gleichzeitig freundlich und unerbittlich genau betrachten kann.

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Die Krimtataren – Geschichte, Herkunft und Gegenwart eines vergessenen Volkes

Krimtartaren-Steppe

Die Krim steht seit Jahren immer wieder im Fokus der Schlagzeilen. In diesem Zusammenhang fällt häufig auch der Name der Krimtataren – meist knapp, oft ohne Erklärung. Wer verstehen will, wer die Krimtataren sind, muss jedoch deutlich weiter zurückgehen als bis zu den politischen Konflikten der Gegenwart.

Es geht nicht um ein einzelnes Ereignis oder eine klare „Geburtsstunde“, sondern um einen langen historischen Prozess. Dieses Kapitel versucht, genau das einmal im Detail zu erläutern: woher dieses Volk kommt, wie es sich formte und warum seine Identität nicht an Staatsgrenzen festzumachen ist.

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Ulrike Guérot: Eine Europäerin zwischen Idee, Universität und öffentlichem Diskurs

Ulrike Guérot und Europa

Es gibt Menschen, deren Gedanken man nicht deshalb gerne verfolgt, weil man ihnen in allem zustimmt, sondern weil sie sich bemühen, die Dinge zu durchdringen. Ulrike Guérot gehört für mich zu diesen Stimmen. Seit einigen Jahren sehe ich mir immer wieder Vorträge von ihr an – nicht regelmäßig, nicht ritualisiert, sondern dann, wenn mir ein Thema begegnet, bei dem ich das Gefühl habe, dass es sich lohnt, genauer hinzuhören. Was dabei auffällt: Sie argumentiert ruhig, strukturiert und weitgehend unideologisch.

Das macht ihre Vorträge nicht spektakulär im medialen Sinn, aber tragfähig. Man kann ihr lange zuhören, ohne das Gefühl zu haben, dass hier ein fertiges Weltbild verkauft werden soll. Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten häufig moralisch aufgeladen oder emotional verkürzt werden, wirkt diese Art des Sprechens fast altmodisch. Im besten Sinne.

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Reichweite ist kein Eigentum – Warum Sichtbarkeit heute nicht mehr ausreicht

Reichweite vs. Eigentum

Vor gut zehn Jahren habe ich mir einmal eher zufällig einen Vortrag angesehen, in dem es um den Übergang von der Informationsgesellschaft zur Wissensgesellschaft ging. Damals klang vieles davon noch theoretisch, fast akademisch. Es ging um Begriffe wie Datenhoheit, Eigentum an Informationen und die Frage, wer künftig eigentlich bestimmt, was zugänglich ist – und was nicht. Heute, mit etwas Abstand, wirkt dieser Vortrag erstaunlich präzise. Denn vieles von dem, was damals als Entwicklung beschrieben wurde, ist inzwischen Realität geworden. Immer mehr Daten sind in die Cloud gewandert. Immer mehr Informationen liegen nicht mehr auf eigenen Systemen, sondern in fremden Infrastrukturen. Und immer häufiger entscheidet nicht mehr der Nutzer, sondern ein Anbieter, eine Plattform oder ein Regelwerk darüber, was möglich ist.

Um diese Entwicklung zu verstehen, lohnt sich ein Schritt zurück. Denn die Informationsgesellschaft, in der viele von uns aufgewachsen sind, war kein Normalzustand. Sie war ein historischer Sonderfall.

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