Wenn Pflicht wieder Pflicht wird. Eine Art Essay von Herrn von L’oreot.

Betrachtungen zur möglichen Rückkehr der Wehrpflicht

Eine Art Essay von Herrn von L’oreot zu einem möglichen Spannungsfall.

Kapitel I: Ein unerwarteter Anruf

Es war ein Dienstag. Oder ein Mittwoch. Sicher bin ich mir nicht mehr. Ich erinnere mich lediglich an eine Thermoskanne mit Filterkaffee, ein belegtes Brot mit Leberwurst – und einen Anruf.

„Guten Tag, hier spricht das Karrierecenter der Bundeswehr! Sie sind vorgemerkt zur Wiedererfassung. Reaktivierung der Wehrpflicht. Sie verstehen.“

Karrierecenter? Bundeswehr? Ich verstand zunächst einmal gar nichts. Ich hatte mich nämlich an ein Leben gewöhnt, in dem Menschen mich in Ruhe lassen, solange ich sie nicht provoziere. Ein Leben mit warmem Wasser, kalkulierten Steuerbescheiden und einer gewissen inneren Abneigung gegen Waldläufe in Gummistiefeln.

Nun sollte ich also wieder „erfasst“ werden. Nicht im spirituellen Sinne, sondern offenbar ganz konkret – namentlich, körperlich und gegebenenfalls mit Sturmgepäck.

Die Dame am Apparat war freundlich. Beinahe zu freundlich. Diese Sorte Freundlichkeit, bei der man instinktiv nach dem Fluchtweg sucht.

„Es handelt sich zunächst nur um eine Maßnahme der Landesverteidigungsbereitschaftserhebungsvorstruktur.“

Ich bat um Wiederholung. Die Dame seufzte und las das Wort erneut vor, dieses Mal in langsamem Beamtendeutsch.

Ich notierte es pflichtbewusst auf einem Einkaufszettel, zwischen „Zahnpasta“ und „Streuselkuchen“. Es schien mir von vergleichbarer Wichtigkeit.

Kapitel II: Die Pflichten des Staates und die Pflicht des Bürgers

In einem idealen Deutschland – also einem, in dem Senf nie alle ist und der Nachbar nicht Laubbläser spielt – besteht eine klare Arbeitsteilung:

  • Der Staat schützt, der Bürger zahlt.
  • Der Staat verkündet, der Bürger nickt.
  • Der Staat verpflichtet – und der Bürger zieht sich die Schuhe an.

Es ist ein System von beruhigender Klarheit. Bis zu dem Moment, in dem man selbst betroffen ist.

„Man müsse vorbereitet sein“, hieß es.
„Es könne ja sein“, fügte man hinzu.
Und: „Die Pflicht gelte für alle.“

Man versicherte mir, dass alles sehr human ablaufen werde. Es gehe nicht um Drill, sondern um „Bürgerengagement“. Ich erinnerte mich an meine letzte Bürgerengagementerfahrung: Ein Wahlhelfer, der mich bat, die Butterkekse beim Auszählen nicht zu zerbröseln.

Nun also ein größerer Maßstab. Pflichtdienst. Dienst an der Gesellschaft.

Ich stellte mir eine Art moderner Gartenarbeit vor. Mit Uniform.

Gleichzeitig erinnerte ich mich an jenen Grundsatz aus dem Biologieunterricht:

„Wer lange nicht trainiert, sollte keine Leistung erwarten.“

Ich beschloss, vorsorglich keine Leistung zu versprechen.

Herr von L'oreot bei der Bundeswehr

Später am Abend zu Hause…

Kapitel III: Die Medien – der Moderator ohne Regie

Die Rückkehr der Wehrpflicht ist ein ernstes Thema.

Ein sehr ernstes.

So ernst, dass man es kaum einem ernstzunehmenden Menschen überlassen kann. Deshalb übernimmt – wie immer in ernsten Angelegenheiten – das Fernsehen.

Im öffentlichen Diskurs äußert sich dies folgendermaßen:

Ein junger Moderator in Slim-Fit-Sakko sitzt einem Minister gegenüber, dessen Frisur aussieht, als hätte sie der Verfassungsschutz freigegeben.

Zwischen beiden ein Tisch mit einem Wasserglas – halb voll oder halb leer, je nach Sicherheitslage.

Der Moderator beginnt:

„Herr Minister, wie gefährlich ist die Lage, wenn Sie jetzt über Wehrpflicht nachdenken?“

Der Minister antwortet:

„Wir denken nicht über Wehrpflicht nach. Wir denken über Sicherheit nach.“

Der Moderator nickt.

Die Kamera zoomt heran.

Das Glas bleibt unberührt.

An dieser Stelle blendet das Studio das Wort „EXKLUSIV“ ein – während exakt dieselben Sätze bereits in fünf anderen Formaten gefallen sind. Dort hießen sie allerdings „Sondersendung“, „Hintergrund“ oder „Klartext“ – je nach Senderidentität und Farbgebung des Laufbands.

Besonders bemerkenswert ist die mediale Visualisierung der „bürgerlichen Pflichtrückbindung“:

Wir sehen Archivaufnahmen von jungen Männern in Unterhemden beim Bettenmachen, gefolgt von Nahaufnahmen von Panzern beim Wenden in Kiesgruben.

Dazu dramatische Musik, irgendwo zwischen Tatort und Technodemo.

Ein Sprecher aus dem Off – warm, männlich, staatsfreundlich – erklärt:

„Es geht nicht um Krieg. Es geht um Verantwortung.“

Ich frage mich in solchen Momenten, ob es möglich ist, Krieg mit Verantwortung zu führen.

Oder Verantwortung ohne Krieg.

Oder Krieg ganz ohne Offsprecher.

In einer Talkshow am späten Abend fragt eine Journalistin:

„Aber sind denn die jungen Menschen heute überhaupt noch bereit, sich zu engagieren?“

Ein junger Mann mit Hoodie und Brille antwortet:

„Ich habe keine Meinung. Aber ich habe ein Gefühl.“

Ein älterer Professor mit Bart – graziös, doch ungenießbar – entgegnet:

„In meiner Generation war das Pflichtgefühl Teil der Suppe!“

Alle lachen höflich.

Die Sendung endet mit einem:

„Das war’s für heute – bleiben Sie wachsam“,

während im Hintergrund die Abspannmusik des ZDF verklingt – komponiert vermutlich von jemandem, der bereits 1984 wachsam war.

Ich persönlich habe für solche Formate stets eine Teekanne in Reichweite. Sie schützt mich nicht vor der Wehrpflicht, aber sie bewahrt mich davor, vorzeitig in den Bildschirm zu beißen.

Denn was die Medien zu verhindern versuchen, ist nicht die Pflicht selbst – sondern ihre Erklärung.

Und wenn man lange genug zuschaut, stellt man fest:

Der Spannungsbogen der Berichterstattung ist elastisch.

Er spannt sich weit –

doch er trifft selten das Ziel.

L'oreot und der Fernseher

Kapitel IV: Die Bürger im Würgegriff der Pflicht

Ein Heimatabend in fünf Akten

🧍 1. Der Mensch als Zahl

Zunächst ist der Bürger einmal ein Mensch.

Zumindest war das bislang so.

Seit jedoch wieder vermehrt über die Wehrpflicht gesprochen wird – also über das feierliche Zurückführen des Individuums in die Faltschachtel der kollektiven Landesverteidigung –, hat sich die Wahrnehmung geändert.

„Müller, Karl, Jahrgang 1988 – verwendbar in der Unterstützungsgruppe 7b (logistisch, rollstuhlbedingt).“

Man wird also nicht mehr gefragt:

„Was können Sie besonders gut?“

Sondern:

„Was wäre Ihnen am wenigsten zuzumuten?“

📋 2. Die Erfassung – sanft, aber bestimmt

Die moderne Erfassung erfolgt papierlos.
Per Mail, App oder QR-Code.

Man bekommt eine „digitale Vorladung“ und kann dort ausfüllen, ob man sich in der Lage fühlt, im Ernstfall eine Gasmaske zu tragen.

Falls nicht, bietet das Formular immerhin Alternativen:

„Ich kann gut Brötchen schmieren (für maximal 80 Personen).“
„Ich besitze ein Klemmbrett und kann es führen.“
„Ich war in den 90ern bei der Bundeswehr, kann mich aber nur an Gulasch erinnern.“

Wer das korrekt ausfüllt, wird automatisch einer Verteidigungsform zugewiesen:

aktiv, semi-passiv, oder moralisch unterstützend (Kommentarspalte im Internet).

🛏 3. Die Neueinrichtung des Lebensraums

Sobald der Bürger erfasst ist, folgen Änderungen. Zum Beispiel erhält er:

  • eine orangefarbene Stofftasche mit der Aufschrift: „Wenn es losgeht, wissen Sie es zuerst.“
  • eine Einladung zur Orientierungsveranstaltung im Gemeindezentrum B, Raum 6 (durch den Geräteraum, dann links). Es wird Tee gereicht, aber nur, wenn die Thermoskanne aus dem Zivilschutzlager funktioniert.
  • ein Merkblatt mit Hinweisen zur korrekten Lagerung von Brotaufstrich während erhöhter Alarmbereitschaft. Darauf steht u. a.: „Margarine ist kein Schutzmaterial.“

🚨 4. Die Kontrollfrage: Darf ich noch „nein“ sagen?

Viele Bürger fragen sich: „Muss ich das machen?“ Die Antwort lautet:

„Nein – außer in dem Fall, in dem Sie es müssen.“

Das ist beruhigend.

Denn es zeigt: Es gibt noch Wahlmöglichkeiten – allerdings nur zwischen den Optionen:

  • „Freiwillige Verpflichtung“
  • „Verpflichtete Freiwilligkeit“
  • oder „Freiwilliger Pflichtbeitrag im Rahmen einer dienstorientierten Abwägungslage (Kurzform: Pflicht)“

Wer sich dagegen wehrt, gilt als nicht integrationsbereit, was allerdings nicht mit Integrationsunwilligkeit zu verwechseln ist – ein Begriff, der ausschließlich bei außenpolitischen Trainingsübungen verwendet wird.

🧦 5. Der Widerstand formiert sich – im Stillen

Ein Mann in meinem Bekanntenkreis – nennen wir ihn Herrn Dobermann – erklärte neulich, er würde sich im Falle der Einberufung unter dem Wohnzimmertisch verschanzen. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass er diesen bereits vorher bezog, weil er mit seiner Frau nicht über Energiesparlampen diskutieren wollte.

Er wäre also vorbereitet.

Sein Hund trägt bereits eine Feldmütze.

📜 Fazit: Ordnung muss sein – auch wenn keiner weiß, wofür

Der Bürger, so sagte man früher, sei das Rückgrat der Demokratie.
Heute ist er oft nur noch die Telefonnummer in einer staatlichen Exceltabelle, die unter dem Reiter „Mobilisierung: zivil“ geführt wird.

Und dennoch: Es gibt Hoffnung. Denn solange Menschen auf Papier schreiben, während Tablets abstürzen, solange Kartoffelsalat als Krisenvorrat gilt und solange sich ein mündiger Bürger fragt, ob er beim Marschieren die linke oder die andere Linke zuerst hebt –

…solange gibt es Menschen, die auch in der Pflicht noch ein bisschen Humor bewahren.

Und das, meine Damen und Herren, ist das wahre Rückgrat.

Herr Dobermann mit Hund und Feldmütze

Kapitel V: Zwischen Wort und Wirkung – die Kunst der Kontrolle

📺 Worte, Worte, Wirkungslosigkeit

In einer Zeit, in der Wörter wie „Resilienz“, „Mobilisierung“ oder „dienstfähige Gesellschaft“ mit zunehmend heiterer Ernsthaftigkeit durch die Abendnachrichten getragen werden, fällt auf:

Niemand fragt mehr, was genau das bedeuten soll.

„Resilienz“ ist heute, wenn der Druck steigt –
und der Bürger trotzdem nicht platzt.

Die Behörden erklären derweil in klarem Amtsdeutsch, dass man keine Verpflichtung zur Verpflichtung plane, sondern lediglich prüfe, ob man prüfen müsse, wie man prüfen würde, wenn geprüft werden soll.

Der Bürger – zwischen Kaffeemaschine und Energiesparplan – lauscht.
Er nickt.
Er versteht nicht.
Aber er spürt: Etwas wird vorbereitet.

🧩 Der Trick mit der Sprache

Loriot hätte gesagt:

„Es ist wie bei der Weihnachtsgans – zuerst wird sie gestopft, dann gewürzt, dann wird gesagt: Jetzt kommt sie ins Rohr, aber niemand hat je gefragt, ob sie überhaupt eingeladen wurde.“

So funktioniert auch die Sprache der vorbereitenden Maßnahmen:

  • „Präventive Strukturen“ sind das, was früher „Vorwarnung“ hieß.
  • „Flexibilisierte Bürgerpflicht“ war einmal „Wehrdienst“.
  • „Notwendige Beteiligung im Rahmen gesellschaftlicher Stabilität“ hieß früher: „Halten Sie still, Müller.“

Was heute in Paragraphen gegossen wird, war gestern noch Stammtischidee und ist morgen dann „nicht mehr diskutabel“.

🧠 Kontrolle beginnt nicht mit Uniformen

Die wahre Kontrolle beginnt nicht mit dem Marschbefehl.
Sie beginnt lange vorher:

  • beim Vokabular in der Pressekonferenz,
  • bei der Sendereihenfolge im Staatsfernsehen,
  • bei der Tonlage, mit der der Begriff „Eigenverantwortung“ plötzlich staatsnah wirkt.

Es ist die Kunst, durch Worte ein Klima zu schaffen, in dem der Zwang nicht mehr wie Zwang aussieht – sondern wie „Pflichtgefühl“.

Oder noch schlimmer: wie „Vernunft“.

🎻 Der Bürger als Hintergrundmusik

Während all dies geschieht, bleibt der Bürger höflich. Er füllt Formulare aus, gibt Feedback zu Online-Befragungen und klickt das Kreuz bei:

„Ich habe die Hinweise zur Mobilisierungsfähigkeit gelesen und verstanden.“

Natürlich hat er nichts verstanden.

Aber er hofft, dass man ihn dann in Ruhe lässt.
Der Staat, der sich vorbereitet, beruhigt ihn:

„Keine Sorge, das betrifft nur sehr wenige. Die meisten merken gar nichts.“

Die meisten merken wirklich nichts.
Doch das ändert sich bekanntlich schnell.


Vicco von Bülow 1979 im Interview (Quelle: Radio Bremen)

🕯️ Schlusswort: Eine Einladung zur Reflexion

Wenn Sie diesen Text bis hierhin gelesen haben, möchte ich Ihnen danken. Nicht, weil Sie klüger geworden sind – das kann ich nicht versprechen –

sondern, weil Sie innegehalten haben, um sich Gedanken zu machen über etwas, das sonst nur in Nachrichtenfloskeln oder Gesetzesentwürfen vorkommt.

Die Pflicht ist nicht das Problem.
Die Gedankenlosigkeit, mit der sie wieder eingeführt werden könnte, ist es.

Früher sagte man:

„Wehret den Anfängen.“

Heute sagt man:

„Klicken Sie bitte auf ‚Zustimmen‘.“

Es geht nicht darum, ob Wehrpflicht richtig oder falsch ist. Sondern darum, ob wir noch wissen, was wir da eigentlich mittragen, wenn wir schweigen.

Und ob wir noch unterscheiden können zwischen dem Staat, der schützt, und dem Staat, der sich einmischt – und dann bleibt.

Vielleicht besteht die Bürgerpflicht 2025 darin, nicht sofort „Ja“ zu sagen. Sondern erst einmal zu fragen:

„Wozu genau eigentlich?“
Und: „Wem nützt es – und wem nicht?“

Wer das tut, marschiert nicht mit.
Aber er denkt – und das war schon immer die gefährlichste Form von Widerstand.

Mit verbindlich-zurückhaltenden Grüßen
aus der Unmöglichkeit des Schweigens

Ihr Herr von L’oreot

Zukunft mit Ladegerät – Herr von L’oreot kauft einen E-Scooter

Ein unerwarteter AnrufHerr von L’oreot bestellt einen E-Scooter – und trifft auf Styropor, Ladezeit und die Realität. Eine humorvolle Geschichte über elektrische Mobilität, Bäckerbesuche und die kleine Ironie des Alltags – 750 Meter lang. Danach: Tee, Kamin und eine leise Erkenntnis.


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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  1. Was bedeutet der Spannungsfall in Deutschland, und welche Folgen hätte er?
    Siehe Artikel zu einem möglichen Spannungsfall in Deutschland
  2. Wie kann ich handeln und kann ich einen möglichen Wehrdienst verweigern?
    Siehe Artikel zu Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung
  3. Ist es gesetzlich vorgeschrieben, beim Einberufungsbescheid ein Leberwurstbrötchen in der Hand zu halten?
    Nur, wenn man dabei einen leicht verwirrten Gesichtsausdruck zeigt und sich mit dem Thermoskannenministerium in Verbindung setzt. Ansonsten reicht auch eine Scheibe Jagdwurst.
  4. Kann mein Dobermann mich vom Wehrdienst befreien, wenn er die Bundeswehrmütze bereits trägt?
    Nur dann, wenn der Hund nachweislich Grundausbildung und Wehrkundeunterricht absolviert hat – bevorzugt in Niedersachsen.
  5. Muss ich dem Nachbarn Asyl gewähren, wenn er sich mit Energiesparlampen bewaffnet unter dem Tisch verschanzt hat?
    Nicht zwangsläufig. Es empfiehlt sich jedoch, ihm eine neue Glühbirne mit 100 Watt und eine Tageszeitung von 1982 unter dem Tisch durchzuschieben.
  6. Wie erkenne ich, ob es sich beim Anruf um einen echten Wehrdienstbescheid handelt oder nur um meinen Schwager mit Langeweile?
    Echte Wehrdienstbescheide kommen grundsätzlich in einem leicht nach Sauerkraut riechenden Umschlag mit dem Aufdruck „Vertraulich – Bundeswe(h)r’s!“.
  7. Gilt die Pflicht zur Pflicht auch in der Thermoskanne oder nur außerhalb?
    Laut §12 Absatz 3 der Pflichtverordnung von 1958 bleibt der Inhalt der Thermoskanne dem Inhaber überlassen, sofern dieser seinen Zivildienst ordnungsgemäß mit dem Löffel beendet hat.
  8. Was, wenn der Minister im Fernsehen aussieht wie ein aufgeschobener Zahnarztbesuch?
    Dann sollten Sie dringend den Fernseher ausschalten, die Gardinen schließen und ein Loriot-Video aus dem Archiv einlegen. Alternativ hilft auch ein ruhiger Blick aus dem Fenster.
  9. Wenn Pflicht wieder Pflicht wird – kann ich dann auch meine Steuererklärung mit dem Lineal einreichen?
    Nur wenn das Lineal DIN-gerecht und mit einer Unterschrift des Finanzamtspräfekten versehen ist. Sonst droht eine Nachversteuerung auf Papiergewicht.
  10. Was tun, wenn mein Wohnzimmer zunehmend aussieht wie ein Stützpunkt der Territorialen Verteidigung?
    Verlagern Sie sämtliche Gesprächssituationen ins Badezimmer und führen Sie Debatten ausschließlich mit Badekappe. Das signalisiert Entschlossenheit.
  11. Muss ich meine Frau über jeden Wehrdienstbescheid informieren?
    Nein. Sie können stattdessen auch die Leberwurstdose umdrehen. Laut Familienprotokoll von 1973 gilt das als indirekte Mitteilung von übergeordneter strategischer Relevanz.
  12. Warum trug der Hund die Mütze und nicht der Mann?
    Weil Hunde den Rang des Gefreiten in vielen Fällen schneller erreichen, besonders bei Westwind. Männer hingegen müssen dafür mindestens dreimal den Rasen mähen.
  13. Kann ich beim Bundeswehrdienst auch Tuba spielen statt Gewehr tragen?
    Ja – sofern Sie das Marschlied „Wir lagen vor Madagaskar“ fehlerfrei rückwärts auf der Tuba interpretieren können. Im Gleichschritt, versteht sich.
  14. Ist es erlaubt, die Pflichtpflichtpflicht in einem Pflichtenheft zu dokumentieren?
    Absolut. Pflichtenhefte sind ab der vierten Pflichtstufe sogar verpflichtend. Sie dürfen jedoch ausschließlich mit Kugelschreibern aus Bundeswehrbeständen beschrieben werden.
  15. Wie verhalte ich mich korrekt, wenn das Fernsehen beginnt zu lügen, aber mein Leberwurstbrot schon angebissen ist?
    Kauen Sie zunächst zu Ende. Dann setzen Sie sich demonstrativ seitlich zum Fernseher, murmeln „Ach du liebe Zeit!“ und schalten auf Standbild.
  16. Kann ich dem Moderator im Fernsehen eine Ohrfeige geben, auch wenn ich nur Zuschauer bin?
    Nur symbolisch – indem Sie mit einem alten Fernsehzeitschriftenexemplar von 2023 leicht auf die Mattscheibe tippen. Alles andere wäre unhöflich und möglicherweise staatszersetzend.

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