Helge Schneider: Haltung, Humor und die Freiheit, sich nicht erklären zu müssen

Helge Schneider Portrait

Helge Schneider ist mir schon sehr früh aufgefallen. Nicht, weil er besonders laut gewesen wäre oder sich in den Vordergrund gedrängt hätte – eher im Gegenteil. Es war diese eigentümliche Mischung aus intelligenter Absurdität, sprachlichem Seitwärtsdenken und musikalischer Selbstverständlichkeit, die hängen blieb. Etwas daran wirkte von Anfang an anders. Unaufgeregt. Unbeeindruckt. Und vor allem: nicht erklärungsbedürftig.

Dieses Porträt ist deshalb kein Fantext. Es ist auch kein ironisches Augenzwinkern und kein Versuch, Helge Schneider in eine kulturelle Schublade zu sortieren. Es ist vielmehr der Versuch, eine Persönlichkeit zu betrachten, die sich seit Jahrzehnten konsequent jeder Vereinnahmung entzieht – und gerade dadurch Haltung zeigt.

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Klimaschutz mit Tunnelblick – Elektromobilität, Lobbyarbeit und die verdrängten Kosten

Elektromobilität ohne Ideologie

Dieser Artikel ist keine Abrechnung mit Elektromobilität. Er ist auch kein Versuch, eine technologische Entwicklung schlechtzureden, die für viele Menschen im Alltag durchaus funktioniert. Ich schreibe diesen Text, weil mir in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, dass zwischen politischer Erzählung, öffentlicher Wahrnehmung und physikalischer Realität eine Lücke entstanden ist, über die kaum noch gesprochen wird. Und ich schreibe ihn gerade nicht aus der Perspektive eines Außenstehenden. Ich fahre selbst seit Jahren einen Plug-in-Hybrid. Ich kenne das elektrische Fahren aus eigener Erfahrung, nicht aus Broschüren oder Talkshows. Ich weiß, wie angenehm es ist, lautlos durch die Stadt zu gleiten, wie direkt die Leistungsentfaltung ist, wie entspannt sich vieles anfühlt. Wer einmal regelmäßig elektrisch gefahren ist, versteht sehr schnell, warum diese Antriebsform emotional überzeugt. Daran gibt es nichts kleinzureden.

Gerade deshalb halte ich es für notwendig, einen Schritt zurückzutreten und nüchtern zu fragen: Was leisten diese Fahrzeuge tatsächlich – und zu welchem Preis, systemisch betrachtet?

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Was unsere Opas vom Krieg erzählten – und warum diese Stimmen heute fehlen

Kriegserinnerungen der Großväter

Es wird viel über Krieg gesprochen. In Nachrichten, Talkshows, Kommentaren, sozialen Medien. Kaum ein Thema ist so präsent – und gleichzeitig so merkwürdig abstrakt. Zahlen, Karten, Frontverläufe, Einschätzungen von Experten. Man weiß, wo etwas passiert, wer beteiligt ist und was auf dem Spiel stehen soll. Was dabei fast vollständig fehlt, sind die Stimmen derer, die Krieg nicht erklärt, sondern erlebt haben.

Vielleicht liegt es daran, dass diese Stimmen langsam verstummen. Vielleicht aber auch daran, dass wir verlernt haben, ihnen zuzuhören.

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Ist Töten würdelos? Eine nüchterne Frage zu Mord, Terror und Krieg

Ist Töten würdelos?

Wir leben in unruhigen Zeiten. Krieg, Terror, Gewalt – all das ist wieder sehr präsent. In den Nachrichten, in politischen Debatten, in Gesprächen am Rand. Entscheidungen über Krieg und Frieden werden getroffen, oft schnell, oft mit großer Entschlossenheit. Es wird argumentiert, abgewogen, gerechtfertigt. Und doch bleibt bei mir ein Unbehagen zurück.

Nicht, weil ich glaube, dass alles einfach wäre oder weil ich mir eine konfliktfreie Welt erträumen würde. Sondern weil mir auffällt, wie selten eine ganz bestimmte Frage gestellt wird. Eine Frage, die weder juristisch noch militärisch ist. Eine Frage, die nicht nach Schuld oder Recht fragt, sondern nach etwas Grundsätzlicherem. Diese Frage lautet: Was macht es mit einem Menschen, wenn er einen anderen Menschen tötet?

Dieser Artikel ist der Versuch, diese Frage ruhig und nüchtern zu stellen – ohne Anklage, ohne moralisches Pathos und ohne aktuelle Ereignisse zu instrumentalisieren.

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Mehr als Punk: Nina Hagen, Cosma Shiva und die Kunst, sich nicht vereinnahmen zu lassen

Nina und Cosma Shiva Hagen im Portrait

Wenn Du Dich einem Porträt von Nina Hagen näherst, ist die Versuchung groß, zuerst über Musik zu sprechen. Über Punk, Provokation, schrille Auftritte. Über all das, was laut ist und sichtbar. Dieses Porträt beginnt bewusst anders. Nicht bei Songs, nicht bei Stilen, nicht bei Bildern. Sondern bei etwas, das leiser ist – und tragender: Haltung.

Haltung ist kein Etikett. Sie lässt sich nicht anziehen wie ein Kostüm, nicht nachträglich aufkleben, nicht mit Marketing erklären. Haltung zeigt sich im frühen Verhalten, lange bevor jemand berühmt wird. Sie zeigt sich darin, wie jemand auf Begrenzungen reagiert, auf Widersprüche, auf Macht. Und genau dort wird Nina Hagen interessant – nicht als Ikone, sondern als Persönlichkeit.

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Warum Abstand kein Rückzug ist – und wie ein Freeze-out Orientierung schafft

Freezeout - Abstand in Krisen

Wenn Du mitten in einer Krise steckst, wirkt alles dringlich. Du hast das Gefühl, sofort handeln zu müssen, sofort sprechen zu müssen, sofort entscheiden zu müssen. Und oft kommt noch ein zweites Gefühl dazu: Wenn Du jetzt nicht dranbleibst, rutscht Dir alles weg. Das ist verständlich. Es ist auch menschlich. Nur: Genau an dieser Stelle beginnt häufig der Fehler.

Denn Nähe ist nicht automatisch Klarheit. Nähe kann auch bedeuten, dass Du zu nah dran bist, um überhaupt noch zu sehen, was wirklich passiert. So wie man ein Gemälde nicht erkennt, wenn man mit der Nase an der Leinwand klebt. Du siehst dann nur noch einzelne Pinselstriche – und hältst sie für das ganze Bild.

Ein Freeze-out ist, richtig verstanden, nichts anderes als ein Schritt zurück. Nicht, um wegzulaufen, sondern um wieder sehen zu können.

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Iran verstehen: Alltag, Proteste und Interessen jenseits der Schlagzeilen

Iran verstehen

Kaum ein Land ruft so feste Bilder hervor wie der Iran. Noch bevor ein einzelnes Detail genannt wird, sind die Assoziationen bereits da: Mullahs, Unterdrückung, Proteste, religiöser Fanatismus, ein Staat im permanenten Konflikt mit der eigenen Bevölkerung. Diese Bilder sind so vertraut, dass sie kaum noch hinterfragt werden. Sie wirken selbstverständlich, fast wie Allgemeinwissen.

Und genau darin liegt das Problem. Denn dieses „Wissen“ stammt selten aus eigener Anschauung. Es stammt aus Schlagzeilen, aus Kommentaren, aus jahrelang wiederholten Erzählungen. Der Iran ist eines jener Länder, über die viele Menschen sehr klare Meinungen haben – obwohl sie nie dort waren, keine Sprache sprechen, keinen Alltag kennen. Das Bild ist vollständig, geschlossen, scheinbar widerspruchsfrei. Und gerade deshalb wirkt es so überzeugend. Doch was passiert, wenn ein Bild zu glatt wird?

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Leistenbruch verstehen: Warum Haltung und Statik oft entscheidender sind als gedacht

Leistenbruch, Haltung und Verspannungen

Mit Leistenbrüchen habe ich seit 2020 zu tun. Rückblickend fing es nicht mit einem dramatischen Unfall an, sondern eher mit einem Moment, in dem der Körper plötzlich ein deutliches Signal sendet: Da ist etwas anders. Ein Leistenbruch kann sich nämlich erstaunlich unspektakulär ankündigen – bis man ihn nicht mehr ignorieren kann. Bei mir kam er relativ plötzlich.

Ein paar Monate später folgte die erste Operation, aber der Weg war damit nicht „erledigt“. Gerade deshalb lohnt es sich, das Thema erst einmal sauber zu verstehen – so, wie es medizinisch gedacht ist, und gleichzeitig mit einem wachen Blick auf die Dinge, die dabei oft unter den Tisch fallen.

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