Der Iran–Israel-Konflikt: Warum diese Eskalation der strategische Albtraum des Westens ist

Israel-Iran - Strategischer Albtraum

Es gibt Momente in der Geschichte, in denen man spürt, dass sich etwas verschiebt. Nicht schlagartig, nicht mit einer einzigen Entscheidung, sondern wie eine Linie, die langsam, aber unaufhaltsam durch den Staub alter Gewissheiten zieht. Die vergangenen Tage gehören zu solchen Momenten. Ich habe mich lange gefragt, ob ich diesen Leitartikel wirklich schreiben soll – schließlich habe ich mich schon einmal ausführlich mit dem Iran beschäftigt und dabei auch deutlich gemacht, dass man dieses Land und seine Machtstrukturen nur versteht, wenn man die jahrzehntelangen Linien betrachtet. Aber genau diese Linien sind jetzt wieder sichtbar geworden, deutlicher denn je.

Was mich selbst aufhorchen lässt, sind nicht nur die harten Fakten: die nächtlichen Einschläge, die Überlastung der israelischen Raketenabwehr, die Rhetorik der politischen Führer, die zunehmende Machtverschiebung im Hintergrund. Es ist das Muster, das dahinterliegt – das Gefühl, dass hier ein Konflikt in eine Phase eindringt, die für jeden Strategen zum Albtraum wird. Und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel: weil viele die Oberfläche sehen, aber kaum jemand versteht, was sich darunter zusammenzieht.

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Vom Ende der Wehrpflicht bis zu Schulstreiks: Die neue Debatte über Bundeswehr und Bildung

Schulstreiks zu Wehrpflicht und Bundeswehr in der Schule

Als ich in den 90er Jahren selbst zur Bundeswehr eingezogen wurde, war das noch ein ziemlich normaler Teil des Lebenswegs vieler junger Männer in Deutschland. Wer die Schule beendet hatte, machte entweder Zivildienst oder Wehrdienst. Das gehörte damals einfach dazu – ähnlich wie eine Ausbildung oder das Studium. Man sprach darüber, man wusste ungefähr, was einen erwartete, und irgendwo hatte fast jeder im Bekanntenkreis jemanden, der gerade beim Bund war oder es kurz zuvor gewesen war.

Ich selbst habe meinen Wehrdienst ebenfalls abgeleistet. Große ideologische Debatten gab es in meinem Umfeld darüber nicht. Natürlich gab es Kritik am Militär oder auch Diskussionen über Auslandseinsätze – aber die Bundeswehr war grundsätzlich ein normaler Bestandteil des Staates. Sie war vorhanden, aber sie spielte im Alltag der meisten Menschen keine besonders dominante Rolle. Interessanterweise galt das auch für die Schule.

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Europa zwischen Meinungsfreiheit und Regulierung: Neues US-Infoportal wirft Fragen auf

EU-Zensur, Hatespeech und das neue US-Portal

Neulich bin ich über eine Information gestolpert, die mich zunächst eher beiläufig interessiert hat – und dann doch nicht mehr losließ. In einem Bericht war davon die Rede, dass die US-Regierung ein neues Online-Portal plane. Ein Portal, das Inhalte zugänglich machen soll, die in bestimmten Regionen der Welt gesperrt sind. Genannt wurden Länder wie Iran oder China. Doch dann fiel ein weiterer Begriff: Europa.

Europa.

Der Gedanke, dass amerikanische Stellen ein Informationsportal entwickeln, das ausdrücklich auch für europäische Bürger gedacht sein soll, weil bestimmte Inhalte hier nicht mehr erreichbar sind, hat mich stutzig gemacht. Nicht empört oder panisch, aber hellhörig. Wenn Europa plötzlich in einem Atemzug mit klassischen Zensurräumen genannt wird, dann lohnt es sich, genauer hinzusehen.

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Cancel Culture im Westen: Sport, Universitäten, Militär und EU-Sanktionen analysiert

Cancel Culture im Westen

Wenn man heute das Wort „Cancel Culture“ hört, denkt man schnell an Universitäten, soziale Netzwerke oder an prominente Einzelpersonen, die wegen einer unbedachten Äußerung unter Druck geraten. Ursprünglich war das Phänomen tatsächlich stark im kulturellen und akademischen Raum verortet. Es ging um Boykotte, um Proteste, um symbolische Distanzierungen. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas verschoben. Die Dynamik ist gewachsen, sie ist ernster geworden – und vor allem: Sie ist politischer geworden.

Heute beobachten wir nicht nur einzelne Debatten um Vorträge oder Twitter-Posts. Wir sehen Sportler, die nicht starten dürfen. Künstler, deren Programme gestrichen werden. Professoren, die unter massiven Druck geraten. Militärs, deren Aussagen binnen Stunden internationale Wellen schlagen. Staaten, die Listen führen. Einreiseverbote. Sanktionen, die nicht nur Institutionen, sondern konkrete Personen treffen.

Das ist mehr als ein kulturelles Randphänomen. Es ist ein politischer Mechanismus geworden.

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Energie, Macht und Abhängigkeit: Europas Weg vom Exportweltmeister zum Nachfrager

Europa und Energie

Wenn Du heute durch Deutschland blickst, dann fällt eines auf: Die Energiesituation ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren. Und zwar grundlegend. Vor zwei Jahrzehnten galt Deutschland als Inbegriff industrieller Stabilität. Verlässliche Stromversorgung, kalkulierbare Gaspreise, robuste Netzinfrastruktur. Energie war kein politisches Dauerthema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Sie war da. Sie funktionierte. Sie war bezahlbar. Sie war – und das ist entscheidend – planbar.

Heute hingegen ist Energie in Europa, insbesondere in Deutschland, zum strategischen Unsicherheitsfaktor geworden. Preise schwanken, Industrie verlagert Investitionen, politische Debatten drehen sich um Subventionen, Notfallreserven und Abhängigkeiten. Energie ist nicht mehr nur Infrastruktur – sie ist Machtfaktor, Verhandlungsspielraum und geopolitischer Hebel.

In diesem Artikel wollen wir diese Entwicklung in Ruhe nachzeichnen. Nicht alarmistisch oder verschwörerisch, sondern Schritt für Schritt. Was hat sich verändert? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Wer profitiert? Und vor allem: Wie konnte ein energiepolitisch souveräner Kontinent in eine Lage geraten, in der er seine elementarste Grundlage – die Energieversorgung – kaum noch eigenständig kontrolliert?

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Russland, NATO und die Angst vor dem Krieg: Was sich belegen lässt – und was nicht

NATO, Russland und die Angst vor einem Krieg

Dieser Artikel ist nicht aus einem aktuellen Impuls heraus entstanden, nicht aus Empörung oder aus Parteinahme. Er ist vielmehr das Ergebnis einer längeren Beobachtung – und eines wachsenden Unbehagens. Ich habe mich mit Russland nicht erst seit dem Ukrainekrieg beschäftigt. Das Interesse reicht weiter zurück. Schon in der Schulzeit hatte ich Russisch als Fremdsprache, habe mich damals – ganz unaufgeregt – mit Sprache, Geschichte und Mentalität beschäftigt. Dieses frühe Interesse hat dazu geführt, dass ich Entwicklungen dort über Jahre hinweg verfolgt habe, ohne ständig den Blickwinkel zu wechseln.

Gerade deshalb erschreckt mich heute, wie grob, wie vereinfachend und wie selbstsicher viele Bilder über Russland und seine angeblichen Ziele in den öffentlichen Raum gestellt werden – oft ohne Quellen, ohne Kontext, manchmal sogar ohne jede innere Logik. Besonders irritierend wird es dann, wenn solche Narrative nicht nur in Talkshows oder Kommentarspalten auftauchen, sondern von Journalisten, Politikern oder anderen offiziellen Stimmen nahezu unreflektiert übernommen werden. An einem Punkt stellt man sich dann zwangsläufig die Frage:

Stimmt das eigentlich so?

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Helge Schneider: Haltung, Humor und die Freiheit, sich nicht erklären zu müssen

Helge Schneider Portrait

Helge Schneider ist mir schon sehr früh aufgefallen. Nicht, weil er besonders laut gewesen wäre oder sich in den Vordergrund gedrängt hätte – eher im Gegenteil. Es war diese eigentümliche Mischung aus intelligenter Absurdität, sprachlichem Seitwärtsdenken und musikalischer Selbstverständlichkeit, die hängen blieb. Etwas daran wirkte von Anfang an anders. Unaufgeregt. Unbeeindruckt. Und vor allem: nicht erklärungsbedürftig.

Dieses Porträt ist deshalb kein Fantext. Es ist auch kein ironisches Augenzwinkern und kein Versuch, Helge Schneider in eine kulturelle Schublade zu sortieren. Es ist vielmehr der Versuch, eine Persönlichkeit zu betrachten, die sich seit Jahrzehnten konsequent jeder Vereinnahmung entzieht – und gerade dadurch Haltung zeigt.

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Was unsere Opas vom Krieg erzählten – und warum diese Stimmen heute fehlen

Kriegserinnerungen der Großväter

Es wird viel über Krieg gesprochen. In Nachrichten, Talkshows, Kommentaren, sozialen Medien. Kaum ein Thema ist so präsent – und gleichzeitig so merkwürdig abstrakt. Zahlen, Karten, Frontverläufe, Einschätzungen von Experten. Man weiß, wo etwas passiert, wer beteiligt ist und was auf dem Spiel stehen soll. Was dabei fast vollständig fehlt, sind die Stimmen derer, die Krieg nicht erklärt, sondern erlebt haben.

Vielleicht liegt es daran, dass diese Stimmen langsam verstummen. Vielleicht aber auch daran, dass wir verlernt haben, ihnen zuzuhören.

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