Magazin für Europa, KI, Digitalisierung & Gesellschaft

Aktuelle Beiträge

Warum ein eigenes Magazin für Unternehmen heute wichtiger ist als Werbung

Magazin als Eigentum

Wenn Sie heute mit Unternehmern über Sichtbarkeit sprechen, dann geht es fast immer um Reichweite. Man spricht über Auffindbarkeit bei Google, über Social Media, über bezahlte Anzeigen bei Google oder auf anderen Plattformen, Klickzahlen, Follower und Interaktionen. Sichtbarkeit gilt als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg, und in vielen Branchen stimmt das auch.

Was dabei selten thematisiert wird, ist eine leise, aber entscheidende Verschiebung: Die meisten Unternehmen sind heute sichtbar – aber auf Flächen, die ihnen nicht gehören. Diese Entwicklung ist nicht dramatisch verlaufen. Sie war bequem, schrittweise und scheinbar logisch. Genau deshalb wird sie kaum hinterfragt.

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Nord Stream Sprengung: Sabotage, Machtpolitik und die unbequemen offenen Fragen

Nord Stream Sprengung

Wenn Menschen über Energie reden, denken viele zuerst an Strom – an Licht, an Steckdosen, an Kraftwerke. In der Realität hängt Europas Alltag jedoch an einem stilleren Fundament: an Wärme und Prozessenergie. Erdgas ist dabei über Jahrzehnte zu einer Art unsichtbarem Rückgrat geworden. Nicht, weil es besonders „schön“ wäre, sondern weil es praktisch ist: Es lässt sich gut transportieren, relativ flexibel einsetzen und in großen Mengen zuverlässig bereitstellen. Für Privathaushalte bedeutet das Heizung und warmes Wasser. Für die Industrie bedeutet es vor allem eines: planbare Produktion.

Gerade in Branchen wie Chemie, Glas, Stahl, Papier, Keramik oder Düngemittel ist Energie nicht einfach ein Kostenfaktor, den man „optimiert“. Energie ist dort ein Bestandteil des Prozesses. Fällt sie aus oder wird unzuverlässig, steht nicht nur eine Maschine still – dann steht oft ein gesamtes Werk, manchmal eine ganze Lieferkette. Das ist der Punkt, an dem „Energiepolitik“ aufhört, ein abstraktes Streitthema zu sein, und anfängt, ganz konkret über Arbeitsplätze, Preise, Verfügbarkeit und Stabilität zu entscheiden. Wer das verstanden hat, versteht auch, warum Nord Stream für Europa weit mehr war als ein Infrastrukturprojekt am Meeresboden.

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Leistenbruch verstehen: Warum Haltung und Statik oft entscheidender sind als gedacht

Leistenbruch, Haltung und Verspannungen

Mit Leistenbrüchen habe ich seit 2020 zu tun. Rückblickend fing es nicht mit einem dramatischen Unfall an, sondern eher mit einem Moment, in dem der Körper plötzlich ein deutliches Signal sendet: Da ist etwas anders. Ein Leistenbruch kann sich nämlich erstaunlich unspektakulär ankündigen – bis man ihn nicht mehr ignorieren kann. Bei mir kam er relativ plötzlich.

Ein paar Monate später folgte die erste Operation, aber der Weg war damit nicht „erledigt“. Gerade deshalb lohnt es sich, das Thema erst einmal sauber zu verstehen – so, wie es medizinisch gedacht ist, und gleichzeitig mit einem wachen Blick auf die Dinge, die dabei oft unter den Tisch fallen.

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Künstliche Intelligenz ohne Hype: Warum weniger KI-Tools oft bessere Arbeit bedeuten

Künstliche Intelligenz ohne Hype

Wer sich heute mit dem Thema künstliche Intelligenz beschäftigt, stößt fast zwangsläufig auf ein merkwürdiges Gefühl: ständige Unruhe. Kaum hat man sich an ein Werkzeug gewöhnt, tauchen schon die nächsten zehn auf. Auf YouTube jagt ein Video das nächste: „Dieses KI-Tool verändert alles“, „Das musst du jetzt unbedingt nutzen“, „Wer das verpasst, bleibt zurück“. Und jedes Mal schwingt unterschwellig dieselbe Botschaft mit: Du bist zu spät. Die anderen sind weiter. Du musst aufholen.

Das betrifft längst nicht nur IT-Leute. Auch Selbstständige, Kreative, Unternehmer oder ganz normale Angestellte spüren diesen Druck. Viele wissen gar nicht genau, was diese Tools eigentlich machen – aber sie haben das Gefühl, dass sie etwas verpassen könnten. Und genau das erzeugt Stress.

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Dieter Hallervorden – Mehr als Didi: Porträt eines unbequemen Freigeists

Dieter Hallervorden und die Wühlmäuse in Berlin

Es gibt Figuren, die kleben einem Menschen ein Leben lang an den Fersen. Manche wie ein schlecht sitzender Anzug, andere wie ein alter Freund, der ungefragt immer wieder vorbeikommt. Bei Dieter Hallervorden heißt dieser Freund „Didi“. Und er klingelt nicht, er schlägt. Auf einen imaginären Gong. Palim, Palim! – und schon weiß fast jeder, wer gemeint ist.

Doch genau hier beginnt das Missverständnis. Denn wer Dieter Hallervorden auf diesen einen Moment reduziert, auf die Slapstick-Nummer, auf das stolpernde Gesicht und die überzeichnete Naivität, verpasst den eigentlichen Menschen dahinter. Der Spaßmacher war immer nur die Oberfläche. Darunter arbeitete ein Kopf, der wacher war, als ihm viele zutrauten – und ein Charakter, der sich nie gern sagen ließ, wo es langzugehen hat. Dieses Porträt ist daher kein nostalgischer Rückblick auf Fernsehunterhaltung vergangener Jahrzehnte. Es ist der Versuch, einen Künstler ernst zu nehmen, der jahrzehntelang bewusst nicht ernst genommen werden wollte – und genau deshalb so wirkungsvoll war.

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Grönland, Trump und die Frage der Zugehörigkeit: Geschichte, Recht und Realität

Grönland im Fadenkreuz: USA und Trump

Es gibt Themen, mit denen man sich nicht aktiv beschäftigt, sondern die sich irgendwann schlicht aufdrängen. Grönland gehört für viele – auch für mich – lange Zeit genau in diese Kategorie. Eine große, abgelegene Insel im hohen Norden, wenig Bevölkerung, viel Eis, viel Natur. Kein klassisches Alltagsthema, kein politischer Dauerbrenner. Das hat sich in den letzten Monaten spürbar geändert.

Durch die zunehmenden Berichte, Kommentare und Schlagzeilen rund um Grönland – und vor allem durch die wiederholten Aussagen von Donald Trump – rückt diese Insel plötzlich in den Mittelpunkt einer internationalen Debatte. Wenn ein ehemaliger und möglicherweise künftiger US-Präsident öffentlich darüber spricht, ein Gebiet „kaufen“, „übernehmen“ oder unter Kontrolle bringen zu wollen, dann weckt das zwangsläufig Aufmerksamkeit. Nicht, weil man solche Aussagen sofort ernst nehmen müsste – sondern weil sie Fragen aufwerfen, die man nicht ignorieren sollte.

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Taiwan verstehen: Geschichte, Statusfrage und die Risiken einer vernetzten Welt

Taiwan als Kipppunkt

Taiwan taucht seit Jahren immer wieder in den Schlagzeilen auf – mal wegen Militärmanövern in der Taiwanstraße, mal wegen diplomatischer Spannungen, mal wegen der Frage, wie verlässlich internationale Regeln im Ernstfall noch sind. In den letzten Tagen hat sich dieser Eindruck für viele Beobachter noch einmal zugespitzt: Die US-Operation in Venezuela, bei der Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgesetzt wurde, wird international nicht nur politisch, sondern auch völkerrechtlich kontrovers diskutiert.

Warum das für Taiwan relevant sein könnte, ist weniger eine Frage von “Wer hat recht?”, sondern eine von Wahrnehmung und Signalwirkung: Wenn große Akteure Regeln selektiv auslegen oder hart durchsetzen, fragen sich andere Mächte – nüchtern und interessengeleitet – wo ihre eigenen Spielräume beginnen und enden. Und genau an dieser Stelle wird Taiwan zu mehr als einem fernen Inselthema.

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Regelbasierte Weltordnung und Völkerrecht: Zwischen Anspruch, Realität und Rechtsbruch

Völkerrecht und Regelbasierte Weltordnung

Seit Jahren fällt mir schon auf, wie häufig in Politik und Medien von einer „regelbasierten Weltordnung“ gesprochen wird. Durch die aktuelle Auseinandersetzung der USA mit Venezuela rückt dieses Thema wieder in den Vordergrund. Früher kam dieser Begriff kaum vor, heute wirkt er fast wie ein Standard-Reflex: Wenn irgendwo etwas passiert, heißt es schnell, man müsse „die Regeln verteidigen“. Gleichzeitig habe ich den Eindruck gewonnen, dass dieselben Akteure, die besonders oft auf diese Regeln verweisen, sich im Zweifel selbst nicht mehr konsequent daran gebunden fühlen. Genau dieser Widerspruch hat mich stutzig gemacht.

Hinzu kommt: Je häufiger man solche Begriffe hört, desto schwammiger wirken sie. „Regelbasiert“ klingt klar, bleibt aber oft unkonkret. Und „Völkerrecht“ wird gern wie ein moralisches Gütesiegel benutzt, obwohl es eigentlich ein rechtliches Gerüst ist – mit Bedingungen, Grenzen und auch Lücken. Ich habe deshalb beschlossen, das Thema einmal sauber aufzudröseln. Nicht als Jurist, sondern als jemand, der verstehen will, was diese Ordnung im Kern einmal war – und worin ihre eigentliche Stärke lag.

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